Matur Mathematik Schweiz: Stoff, Prüfung und Vorbereitung
Die Matur in Mathematik prüft, was du in Analysis, Algebra, Vektorgeometrie und Stochastik gelernt hast. Hier siehst du den Stoff nach Themen, einen Überblick über die Prüfung und Beispielaufgaben mit Lösungen.
Die Matur (Maturitätsprüfung) schliesst das Gymnasium ab und berechtigt zum Studium an den Schweizer Hochschulen. Mathematik ist ein Grundlagenfach und wird deshalb von allen Maturandinnen und Maturanden belegt. Wer mehr will, wählt das Schwerpunktfach „Physik und Anwendungen der Mathematik“ oder das Ergänzungsfach „Anwendungen der Mathematik“. Grundlage ist der Rahmenlehrplan für die Maturitätsschulen der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK, 1994). Die Kantone setzen ihn in eigene Lehrpläne um, darum unterscheiden sich Stoffverteilung und Prüfung von Kanton zu Kanton. Die Tabelle zeigt deshalb die Themen, die fast überall vorkommen.
Der Stoff nach Themen
Die Zuordnung folgt dem Lehrplan der Gymnasien des Kantons St. Gallen als Beispiel und den üblichen Inhalten der anderen Kantone. Frage bei deiner Lehrperson nach, welche Themen an deiner Schule dazugehören.
| Thema | Typische Inhalte | Erklärt auf | Üben |
|---|---|---|---|
| Algebra und Gleichungen | Terme, Potenzen, Wurzeln, Betrag, quadratische Gleichungen, Gleichungssysteme, Ungleichungen | Gleichungen, Quadratische Gleichungen, Gleichungssysteme, Ungleichungen | Quadratische Gleichungen, Gauss-Verfahren |
| Funktionen | Polynom-, Potenz-, Exponential-, Logarithmus- und trigonometrische Funktionen, Umkehrfunktion, Verkettung | Funktionen, Exponentialfunktion, Logarithmen, Sinusfunktion | Funktionen verknüpfen, Exponentialgleichungen |
| Folgen und Reihen | arithmetische und geometrische Folgen, Grenzwerte, Summenformeln | Folgen und Grenzwerte, Vollständige Induktion | Grenzwerte, Folgen |
| Differentialrechnung | Ableitung, Ableitungsregeln, Kurvendiskussion, Extremwertaufgaben, Newton-Verfahren | Ableitung, Kurvendiskussion, Extremwertaufgaben | Änderungsrate und Tangente, Kurvenverlauf, Ableitungsregeln |
| Integralrechnung | Stammfunktion, bestimmtes Integral, Flächen, Rotationskörper, Integrationsmethoden | Integralrechnung, Integrationsmethoden, Rotationskörper | Integrale und Anwendungen, Integrationsmethoden |
| Vektorgeometrie | Vektoren, Skalar- und Kreuzprodukt, Geraden, Ebenen, Abstände, Kugel | Vektoren, Geraden im Raum, Ebenen im Raum, Kreise und Kugeln | Kreuzprodukt und Spatprodukt, Ebenen, Abstände |
| Trigonometrie | Sinus-, Kosinus- und Tangenssatz am Dreieck, Bogenmass, trigonometrische Gleichungen | Trigonometrie, Trigonometrische Gleichungen | Sinussatz und Kosinussatz, Gleichungen |
| Stochastik | Kombinatorik, Wahrscheinlichkeit, Erwartungswert, Binomial- und Normalverteilung, Tests | Kombinatorik, Binomialverteilung, Normalverteilung, Hypothesentests | Kombinatorik, Binomialverteilung |
| Je nach Kanton und Fach | komplexe Zahlen, Matrizen, Differentialgleichungen, Kegelschnitte, lineare Optimierung (vor allem im Schwerpunktfach) | Komplexe Zahlen, Matrizen, Differentialgleichungen, Kegelschnitte | Komplexe Zahlen, Differentialgleichungen, Matrizen |
Die Prüfung
Die Kantone regeln die Prüfung selbst. Fast überall gibt es eine schriftliche Prüfung, die mehrere Stunden dauert, an manchen Schulen kommt eine mündliche Prüfung dazu. Als Beispiel nennt das Reglement des Kantons Solothurn drei Stunden für die schriftliche Prüfung in den meisten Grundlagenfächern. Welche Hilfsmittel erlaubt sind, etwa ein Taschenrechner, ein grafikfähiger Rechner oder eine Formelsammlung, legen der Kanton und die Fachschaft fest. Im Schwerpunktfach Mathematik ist manchmal nur ein Teil der Prüfung mit Rechner, das steht dann im Programm der Schule. Hinzu kommen die Erfahrungsnoten aus dem Unterricht, die zusammen mit den Prüfungsnoten die Maturnote ergeben. Die Note 4 ist genügend, 6 ist die beste Note.
Anders als in Österreich gibt es keine einheitliche Prüfung für die ganze Schweiz. Üblich sind Aufgaben mit mehreren Teilen, bei denen du den Rechenweg aufschreiben und Ergebnisse begründen musst. Darauf bereiten dich die Seiten Mathematisch arbeiten, Operatoren und Argumentieren und Begründen vor.
Drei Beispielaufgaben mit Lösungen
Schweizer Besonderheiten
- Schreibweise: In vielen Schweizer Büchern steht der Dezimalpunkt (3.5) und der Apostroph als Tausendertrennzeichen (1'000). Auf diesen Seiten steht das Komma. Die Schweiz schreibt „Gauss“, „Grösse“ und „Massstab“ ohne ß.
- Begriffe: Statt „Abitur“ heisst es Matur oder Maturität. Die Klassen am Gymnasium zählen als 1. bis 4. Klasse (Kurzgymnasium) oder bis zur 6. Klasse (Langgymnasium).
- Geld: Aufgaben rechnen in Franken (Fr.) und Rappen (Rp.).
- Maturaarbeit: Die selbstständige Arbeit zu einem Thema kann auch aus der Mathematik stammen. Ideen stehen bei den Facharbeit-Themen.
Tipps für die Matur
- Frühere Prüfungen üben: Viele Gymnasien stellen alte Maturaufgaben bereit. Rechne sie unter Prüfungsbedingungen.
- Rechenweg zeigen: Schreibe auf, welche Formel du einsetzt und warum. Ein richtiger Ansatz zählt auch bei einem Rechenfehler.
- Mit dem Rechner prüfen: Kontrolliere Nullstellen, Extremstellen und Integrale mit dem Rechner, soweit er zugelassen ist. Eine Einführung steht bei Taschenrechner und GeoGebra.
- Die Grundlagen sichern: Bruchrechnen, Potenzen, Gleichungen und Funktionen kommen in jeder Aufgabe vor. Teste dich mit dem Arbeitsblatt-Baukasten.
Die österreichische Variante mit festen Grundkompetenzen beschreibt die Seite zur Zentralmatura, die deutsche das Abitur. Eine Übersicht über alle Themen nach Klassen bietet der Lehrplan Schweiz.
Häufige Fragen
Gibt es eine einheitliche Matur in der Schweiz?
Nein. Die Kantone führen die Prüfungen selbst durch. Gemeinsam sind der Rahmenlehrplan und die Anerkennung der Matur durch den Bund, darum sind die Themen ähnlich, die Aufgaben aber nicht dieselben.
Ist Komplexe Zahlen Pflicht?
Das hängt vom Kanton und vom Fach ab. Im Grundlagenfach fehlen sie oft, im Schwerpunkt- und Ergänzungsfach gehören sie häufig dazu. Frage nach dem Stoffplan deiner Schule.
Darf ich einen Taschenrechner benutzen?
Meistens ja, aber welcher Typ erlaubt ist (einfacher, grafikfähiger oder Computer-Algebra-Rechner), bestimmt der Kanton oder die Schule. Teile der Prüfung sind manchmal ohne Rechner.
Quellen
- Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK): Rahmenlehrplan für die Maturitätsschulen vom 9. Juni 1994 (Dossier 30A). Der Katalogeintrag wurde gelesen, der Volltext nicht.
- Gymnasien des Kantons St. Gallen: Lehrplan 2008/10, Grundlagenfach Mathematik, als Beispiel für den kantonalen Lehrplan.
- Kanton Solothurn: Reglement über die Maturitätsprüfungen (2018), als Beispiel für die Prüfungsregeln eines Kantons.
Fehler entdeckt oder einen Wunsch? Schreib uns eine kurze Nachricht, wir kümmern uns darum.