Mathematik lernen · Klasse 8–Oberstufe
Funktionen
Eine Funktion ordnet jeder Eingabe genau eine Ausgabe zu. Du lernst die f(x)-Schreibweise, Definitions- und Wertebereich, Verkettung und Umkehrfunktion und erfährst, wie Oresme, Leibniz, Euler und Dirichlet den Begriff formten.
Eine Funktion ist eine Vorschrift, die jeder Zahl aus einer Menge genau eine Zahl zuordnet. Ein Taxi zeigt das gut: Du fährst x Kilometer, und der Fahrpreis hängt nur von x ab. Bei 4 € Grundpreis und 2 € je Kilometer kostet eine Fahrt über 5 km genau 14 €. Zu jeder Strecke gehört also genau ein Preis, und dieses „genau ein“ ist das Herz jeder Funktion.
Funktionen begegnen dir überall: Der Bremsweg hängt von der Geschwindigkeit ab, der Kontostand von der Zeit, die Temperatur vom Ort. Auf dieser Seite lernst du ihre Sprache. Du unterscheidest Relationen und Funktionen, schreibst Funktionen auf, bestimmst ihre erlaubten Eingaben, verrechnest, verkettest und kehrst sie um. Voraussetzung ist, dass du mit Gleichungen und Potenzen sicher umgehst.
Relationen und Funktionen unterscheiden
Eine Relation verbindet Elemente zweier Mengen. Das kann „ist Teiler von“ sein, „ist verheiratet mit“ oder „hat das Quadrat“. Mathematisch ist eine Relation eine Menge von Paaren (x | y). Eine Funktion ist eine besondere Relation: Jedes x der Ausgangsmenge kommt in genau einem Paar vor. Man sagt, die Zuordnung ist eindeutig.
Pfeildiagramme machen das sichtbar: Links stehen die Eingaben, rechts die möglichen Ausgaben.
Links hat jedes x genau einen Pfeil. Dass die Pfeile von −1 und von 1 beide bei 1 enden, ist erlaubt, denn (−1)² = 1² = 1. Rechts gehen von 1 zwei Pfeile aus, nämlich zu −1 und zu 1. Das verletzt die Eindeutigkeit. Auch ein Element ohne Pfeil wäre ein Fehler.
Am Graphen erkennst du eine Funktion mit dem Senkrechtentest: Lege gedanklich senkrechte Linien durch das Bild. Trifft jede den Graphen höchstens einmal, ist es der Graph einer Funktion. Ein Kreis fällt durch: Zur Gleichung gehören bei x = 3 die zwei Werte y = 4 und y = −4, denn 9 + 16 = 25.
Funktionsnotation und Schreibweise
Mathematikerinnen und Mathematiker schreiben Funktionen knapp auf. Der Buchstabe f ist der Name der Funktion, x das Argument, und liest du „f von x“. Das ist der Funktionswert an der Stelle x, nicht f mal x. Rechts vom Gleichheitszeichen steht der Funktionsterm, zusammen heißt die Funktionsgleichung. Sie beschreibt den Taxipreis von oben.
| Darstellung | Taxipreis | Vorteil |
|---|---|---|
| in Worten | 4 € Grundpreis plus 2 € je Kilometer | jeder versteht es sofort |
| Funktionsgleichung | oder | kurz und exakt |
| Wertetabelle | 0, 1, 2, 5, 10 km kosten 4, 6, 8, 14, 24 € | Werte sofort ablesbar |
| Graph | Gerade durch (0 | 4) mit Steigung 2 | Verlauf auf einen Blick |
Oft schreibt man statt auch y. Der Graph von f besteht aus allen Punkten (x | f(x)). Stammen Eingabe und Ausgabe aus den reellen Zahlen ℝ, lautet die ausführliche Form .
Definitionsbereich und Wertebereich
Nicht jede Zahl darf in jede Funktion. Bei gibt es für x = 0 keinen Funktionswert, denn durch null lässt sich nicht teilen. Bei sind negative Zahlen tabu, weil es in den reellen Zahlen keine Wurzel aus ihnen gibt. Die Menge aller erlaubten Eingaben heißt Definitionsbereich D. Die Menge aller Werte, die tatsächlich herauskommen, heißt Wertebereich W.
Die Abbildung zeigt . Unter der Wurzel muss gelten, also x ≥ 1. Die Wurzel liefert nie etwas Negatives, und jeder Wert ab 0 wird erreicht. Deshalb ist D = [1; ∞) und W = [0; ∞).
Die eckige Klammer bei [1 bedeutet, dass die 1 dazugehört. Eine runde Klammer schließt den Randpunkt aus, bei ∞ steht sie immer, denn ∞ ist keine Zahl. Manche Schulbücher schreiben dafür nach außen geöffnete eckige Klammern, etwa ]1; 3[. Fehlen nur einzelne Zahlen, schreibt man ℝ ∖ {0} und liest „ℝ ohne die Null“.
Rechenoperationen mit Funktionen
Funktionen lassen sich wie Zahlen verrechnen. Du rechnest immer an derselben Stelle x und bildest dort Summe, Differenz, Produkt oder Quotient der Funktionswerte. So entsteht eine neue Funktion.
Verkettete (komponierte) Funktionen
Beim Verketten schaltest du zwei Funktionen hintereinander: Das Ergebnis der ersten wird zur Eingabe der zweiten. Man schreibt und liest „f nach g“. Zuerst wirkt die innere Funktion g, dann die äußere Funktion f. Das ist wie bei einer Maschinenstraße: Erst wird gebohrt, dann lackiert.
Das siehst du bei und . Die Kette ist nur für x ≥ 4 erklärt. Die umgekehrte Kette gilt dagegen schon für alle x ≥ 0.
Funktionen zerlegen: innere und äußere Funktion
Verketten funktioniert auch rückwärts. In einem verschachtelten Term erkennst du eine Kette einfacher Bausteine. Diese Übung brauchst du später für die Kettenregel in der Analysis.
Umkehrfunktion bilden
Manche Funktionen kannst du rückgängig machen. Beim Taxipreis fragst du: Wie weit bin ich gefahren, wenn ich 24 € bezahlt habe? Du rechnest rückwärts, erst 24 − 4 = 20, dann 20 : 2 = 10 km. Diese Rückwärtsvorschrift ist die Umkehrfunktion . Allgemein gilt und .
Das geht nur, wenn zu jedem Ausgabewert genau eine Eingabe gehört. Am Graphen prüfst du das mit dem Waagerechtentest: Jede waagerechte Gerade darf den Graphen höchstens einmal treffen. Die Parabel besteht ihn nicht, denn 9 kommt von 3 und von −3. Dann hilft es, den Definitionsbereich einzuschränken, zum Beispiel auf x ≥ 0. Dort ist die Wurzel die Umkehrfunktion.
Der Schritt „Namen vertauschen“ hat eine schöne Bedeutung: Aus jedem Punkt (a | b) des Graphen von f wird der Punkt (b | a) auf dem Graphen von . Das ist genau die Spiegelung an der Winkelhalbierenden .
Wichtige Funktionstypen im Überblick
Ein paar Grundtypen kehren immer wieder. Mit Verschieben, Strecken, Verrechnen und Verketten baust du aus ihnen fast alle Funktionen der Schule.
| Typ | Funktionsgleichung | Merkmal | Beispiel |
|---|---|---|---|
| linear | Gerade, m ist die Steigung | Taxipreis, direkte Proportionalität | |
| quadratisch | Parabel mit Scheitel | Wurfbahn, Flächen | |
| Potenzfunktion | gerades n wie Parabel, ungerades n S-förmig | Würfelvolumen | |
| Polynom | höchstens n Nullstellen | glatte Kurven ohne Knick | |
| Wurzel | halbe liegende Parabel | Fallzeit aus der Höhe | |
| Betrag | Knick bei 0 | Abstand zum Nullpunkt | |
| gebrochen-rational | Hyperbel, Pol bei 0 | umgekehrte Proportionalität | |
| Exponential | wächst oder fällt immer schneller | Zinseszins, Zerfall | |
| Logarithmus | Umkehrung der Exponentialfunktion | Dezibel, pH-Wert | |
| Winkelfunktionen | , | periodisch, Werte zwischen −1 und 1 | Schwingungen, Trigonometrie |
Zwei Symmetrien helfen beim Skizzieren: Bei liegt der Graph spiegelsymmetrisch zur y-Achse (wie ), bei punktsymmetrisch zum Ursprung (wie ).
Geschichte: Wie der Funktionsbegriff entstand
Das Wort „Funktion“ ist erst gut 300 Jahre alt, die Idee dahinter deutlich älter. Jeder Schritt machte den Begriff allgemeiner.
Oresme: Größen als Bilder
Um 1350 fragte Nikolaus von Oresme (ca. 1320–1382), wie man darstellt, dass etwas stärker oder schwächer wird, etwa die Wärme eines Stabes. Er trug auf einer Grundlinie Orte oder Zeitpunkte ab und senkrecht darüber die Stärke. Die entstehende Figur zeigt, wie sich die Größe ändert. Das ist die Idee des Graphen, noch ohne Koordinatensystem und ohne Formel.
Descartes: Kurven als Gleichungen
1637 verband René Descartes (1596–1650) in La Géométrie Geometrie und Algebra: Punkte werden durch Zahlen festgelegt, Kurven durch Gleichungen beschrieben. Heute ist der Graph von f die Menge aller Punkte (x | y) mit y = f(x). Von Funktionen sprach Descartes noch nicht, nur von Kurven und ihren Gleichungen.
Leibniz: Das Wort Funktion
Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) benutzte das lateinische Wort functio, „Verrichtung“, schon 1673 in einem Manuskript und in Veröffentlichungen der 1690er-Jahre. Er meinte Größen, die von einer Kurve abhängen, etwa die Länge einer Tangente. Sein Briefpartner Johann Bernoulli definierte 1718: Eine Funktion ist eine Größe, die auf irgendeine Weise aus einer veränderlichen Größe und aus Konstanten zusammengesetzt ist.
Euler: Die Schreibweise f(x)
Leonhard Euler (1707–1783) machte die Funktion zum Hauptthema der Analysis. Um 1734 schrieb er erstmals für den Wert einer Funktion f an der Stelle x. In seiner Introductio in analysin infinitorum (1748) nannte er eine Funktion einen analytischen Ausdruck aus der Veränderlichen und aus Zahlen. Für Euler war eine Funktion also eine Formel. Sinus, Exponentialfunktion und Logarithmus behandelte er systematisch als Funktionen einer Zahl.
Dirichlet: Zuordnung statt Formel
Im 19. Jahrhundert stieß die Formel an Grenzen. Joseph Fourier hatte behauptet, dass sich fast jede Funktion, auch eine mit Sprüngen, aus Sinusschwingungen aufbauen lässt. Peter Gustav Lejeune Dirichlet (1805–1859) formulierte 1837: Ist jedem x eines Intervalls ein bestimmtes y zugeordnet, dann ist y eine Funktion von x, gleichgültig, wie die Zuordnung zustande kommt. Sein berühmtes Beispiel gibt rationalen Zahlen den Wert 1 und irrationalen den Wert 0. Das ist im Kern die Definition, die du heute lernst. Im 20. Jahrhundert fasste man sie noch abstrakter als Menge von Paaren, in der kein erstes Glied doppelt vorkommt, wie am Anfang dieser Seite.
Wie es weitergeht: Wie schnell sich ein Funktionswert ändert, untersucht die Analysis. Die Exponentialfunktion und ihre Umkehrung lernst du bei den Logarithmen kennen, die Winkelfunktionen in der Trigonometrie.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einer Funktion und einer Gleichung?
Eine Gleichung wie fragt nach bestimmten Zahlen, hier x = 3. Eine Funktion wie beschreibt alle Zuordnungen auf einmal. Setzt du , wird aus der Funktion wieder eine Gleichung.
Dürfen zwei verschiedene x denselben Funktionswert haben?
Ja. Bei gehören x = 2 und x = −2 beide zu 4. Nicht erlaubt ist, dass ein einziges x zwei Funktionswerte hat.
Quellen und weiterführende Literatur
- Hans Wußing: 6000 Jahre Mathematik. Eine kulturgeschichtliche Zeitreise, Band 2: Von Euler bis zur Gegenwart, Springer, Berlin 2009.
- A. P. Youschkevitch: The concept of function up to the middle of the 19th century, Archive for History of Exact Sciences 16 (1976).
- MacTutor History of Mathematics: Johann Peter Gustav Lejeune Dirichlet (englisch)
- MacTutor History of Mathematics: Leonhard Euler (englisch)
- Wikipedia: Funktion (Mathematik)

