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Mathematik lernen · Oberstufe
Kreise und Kugeln in der analytischen Geometrie
Ein Kreis oder eine Kugel besteht aus allen Punkten mit festem Abstand von einem Mittelpunkt. Aus dieser einen Idee folgen die Gleichung, die Lage von Punkten und Geraden und der Schnitt mit einer Ebene.
Ein Kreis in der Ebene und eine Kugel im Raum haben dieselbe Beschreibung: Alle ihre Punkte haben vom Mittelpunkt denselben Abstand, den Radius. In der analytischen Geometrie wird daraus eine Gleichung, mit der du rechnen kannst. Du prüfst damit, ob ein Punkt auf, in oder außerhalb einer Kugel liegt, wo eine Gerade die Kugel trifft und welchen Kreis eine Ebene aus ihr herausschneidet.
Die Seite setzt voraus, dass du mit Vektoren und dem Betrag rechnen kannst, siehe Vektoren. Formeln für Umfang, Fläche und Volumen stehen bei Kreis und Kugel, Ellipse, Hyperbel und Parabel bei den Kegelschnitten. Hier geht es um die Gleichungen und um Lagebeziehungen.
Die Kreisgleichung
Ein Punkt liegt auf dem Kreis um mit dem Radius , wenn sein Abstand zu genau beträgt. Den Abstand liefert der Satz des Pythagoras, wie bei den Abständen zweier Punkte: In -Richtung unterscheiden sich die Punkte um , in -Richtung um . Der Abstand ist also . Setzt du ihn gleich und quadrierst, erhältst du die Kreisgleichung.
Der Kreis (x − 2)² + (y + 1)² = 9. P liegt auf dem Kreis, Q innen (Abstand √8 < 3), R außen (Abstand √18 > 3).
Die Kugelgleichung
Im Raum kommt eine dritte Koordinate hinzu. Der Abstand von zu ist die Länge des Vektors , siehe Betrag eines Vektors. Pythagoras wird zweimal angewendet, das ergibt die Kugelgleichung.
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Mittelpunkt und Radius ablesen
Steht die Gleichung in der Form von oben, liest du Mittelpunkt und Radius direkt ab. Achte auf die Vorzeichen: Aus folgt . Oft ist die Gleichung aber ausmultipliziert, zum Beispiel . Dann hilft die quadratische Ergänzung, dieselbe Methode wie bei den verschobenen Kegelschnitten:
Sortiere die Terme nach , und . Die Faktoren vor , und müssen 1 sein, sonst teilst du die Gleichung zuerst durch diese Zahl.
Ergänze jede Gruppe zu einem vollständigen Quadrat, zum Beispiel .
Bringe alle Zahlen auf die rechte Seite.
Lies und ab.
Es gibt eine fertige Formel. Für ist und
Im Beispiel ist , , , , also . Der Wert von entscheidet, ob es überhaupt eine Kugel gibt:
Was die Gleichung beschreibt
Wert von
Menge der Lösungen
Kugel mit dem Radius
nur der Mittelpunkt
kein Punkt
So hat den Wert . Es gibt keinen Punkt, der diese Gleichung erfüllt.
Lage eines Punktes zur Kugel
Du berechnest das Quadrat des Abstands von zum Mittelpunkt, indem du in die linke Seite der Kugelgleichung einsetzt, und vergleichst es mit . Ein Wurzelziehen ist nicht nötig.
Lage von drei Punkten zur Kugel K mit Mittelpunkt (1|−2|3) und r = 5
Punkt
Einsetzen
Vergleich mit
Lage
gleich
auf der Kugel
kleiner
innerhalb
größer
außerhalb
Der Abstand von zum Mittelpunkt ist . Zur Kugeloberfläche fehlen noch Längeneinheiten.
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Gerade und Kugel
Eine Gerade kann eine Kugel in zwei Punkten schneiden (Sekante), in einem Punkt berühren (Tangente) oder an ihr vorbeilaufen (Passante). Im Kreis ist es genauso.
Drei Lagen einer Geraden zu einem Kreis oder zu einer Kugel. Setzt du die Gerade in die Gleichung ein, entscheidet die Diskriminante D der entstehenden quadratischen Gleichung.
Schreibe die Gerade in Parameterform, wie bei den Geraden im Raum: , und hängen von ab.
Setze diese drei Ausdrücke in die Kugelgleichung ein.
Löse die entstehende quadratische Gleichung in . Ihre Diskriminante zeigt die Lage: zwei Lösungen, eine, keine.
Setze die Lösungen für in die Geradengleichung ein. Das liefert die Schnittpunkte.
Drei Geraden zur Kugel K
Gerade
Gleichung in
Lage
Sekante, Punkte und
Tangente, Berührpunkt
Passante, kein gemeinsamer Punkt
Bei der Tangente steht die Richtung senkrecht auf dem Radius zum Berührpunkt: , und das Skalarprodukt ist . Alternativ bestimmst du den Abstand des Mittelpunkts von der Geraden, wie bei den Abständen Punkt und Gerade, und vergleichst ihn mit .
In der Ebene geht es genauso. Für den Kreis und die Gerade ist , also und oder . Die Schnittpunkte sind und .
Ebene und Kugel
Für eine Ebene in Koordinatenform berechnest du den Abstand des Mittelpunkts, wie bei den Abständen Punkt und Ebene:
Der Vergleich von mit entscheidet über die Lage:
Lage einer Ebene zu einer Kugel
Abstand
Lage
Gemeinsame Punkte
Ebene schneidet die Kugel
ein Kreis (Schnittkreis)
Ebene berührt die Kugel
ein Punkt, Tangentialebene
Ebene liegt außerhalb
keine
Der Schnittkreis
Der Mittelpunkt des Schnittkreises ist der Lotfußpunkt von auf . Schneidest du die Kugel senkrecht zur Ebene durch , entsteht ein rechtwinkliges Dreieck aus , und einem Punkt des Schnittkreises. Seine Seiten sind , der Radius des Schnittkreises und :
Die Ebene schneidet die Kugel in einem Kreis. Sein Mittelpunkt F ist der Lotfußpunkt von M, sein Radius ergibt sich aus dem rechtwinkligen Dreieck MFS: ρ² = r² − d².
Die Tangentialebene
Berührt eine Ebene die Kugel in einem Punkt , steht sie dort senkrecht auf dem Radius . Dieser Vektor ist ein Normalenvektor der Tangentialebene. Mit dem Punkt als Aufpunkt kannst du die Ebene in Normalenform und Koordinatenform aufstellen, siehe Koordinatenform.
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Typische Fehler
Übungen
Geschichte: vom Zirkel zur Gleichung
Die griechischen Mathematiker beschrieben Kreis und Kugel noch ohne Koordinaten. Euklid erklärt in den Elementen um 300 v. Chr. den Kreis über gleiche Abstände zum Mittelpunkt und die Kugel als den Körper, der entsteht, wenn sich ein Halbkreis um seinen Durchmesser dreht. Gleichungen gab es nicht, man argumentierte mit Figuren.
Das änderte sich 1637, als René Descartes in La Géométrie Geometrie und Algebra verband und Kurven durch Gleichungen beschrieb. Unabhängig davon arbeitete Pierre de Fermat ähnlich. Systematisch untersucht wurden Kurven und Flächen zweiter Ordnung im 18. Jahrhundert unter anderem von Leonhard Euler, zu ihnen gehört die Kugel. Die kurze Vektorschreibweise wurde erst durch die Vektorrechnung des 19. Jahrhunderts üblich, mehr dazu bei der Geschichte der Vektoren.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich in einer Gleichung eine Kugel?
Die Gleichung hat die Terme , und mit demselben Faktor, keine gemischten Terme wie , und nach der quadratischen Ergänzung steht rechts eine positive Zahl . Andere Vorfaktoren führen zu Ellipsoiden, gemischte Terme zu gedrehten Flächen.
Wie beschreibt man einen Kreis im Raum?
Mit zwei Gleichungen: der Kugel und der Ebene, in der er liegt. Der Kreis besteht aus den Punkten, die beide Gleichungen erfüllen. Mittelpunkt und Radius ergeben sich wie im Abschnitt über den Schnittkreis.
Wie viele Punkte legen eine Kugel fest?
Vier Punkte, die nicht in einer gemeinsamen Ebene liegen. Setzt du sie in die Kugelgleichung ein, bekommst du vier Gleichungen für , , und . Bei einem Kreis genügen drei Punkte, die nicht auf einer Geraden liegen.
Muss ich eine Gerade immer in die Kugelgleichung einsetzen?
Nein. Du kannst auch den Abstand des Mittelpunkts von der Geraden berechnen und mit vergleichen. Einsetzen liefert aber gleich die Schnittpunkte, und die Diskriminante zeigt die Lage.
Euklid: Die Elemente, übersetzt und herausgegeben von Clemens Thaer, Ostwalds Klassiker der exakten Wissenschaften, Verlag Harri Deutsch, Frankfurt am Main.