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Mathematik lernen · Oberstufe

Kreise und Kugeln in der analytischen Geometrie

Ein Kreis oder eine Kugel besteht aus allen Punkten mit festem Abstand von einem Mittelpunkt. Aus dieser einen Idee folgen die Gleichung, die Lage von Punkten und Geraden und der Schnitt mit einer Ebene.

Kreise und Kugeln in der analytischen Geometrie
Bild: Petrus3743, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Ein Kreis in der Ebene und eine Kugel im Raum haben dieselbe Beschreibung: Alle ihre Punkte haben vom Mittelpunkt denselben Abstand, den Radius. In der analytischen Geometrie wird daraus eine Gleichung, mit der du rechnen kannst. Du prüfst damit, ob ein Punkt auf, in oder außerhalb einer Kugel liegt, wo eine Gerade die Kugel trifft und welchen Kreis eine Ebene aus ihr herausschneidet.

Die Seite setzt voraus, dass du mit Vektoren und dem Betrag rechnen kannst, siehe Vektoren. Formeln für Umfang, Fläche und Volumen stehen bei Kreis und Kugel, Ellipse, Hyperbel und Parabel bei den Kegelschnitten. Hier geht es um die Gleichungen und um Lagebeziehungen.

Die Kreisgleichung

Ein Punkt P(x|y) liegt auf dem Kreis um M(m|n) mit dem Radius r, wenn sein Abstand zu M genau r beträgt. Den Abstand liefert der Satz des Pythagoras, wie bei den Abständen zweier Punkte: In x-Richtung unterscheiden sich die Punkte um x−m, in y-Richtung um y−n. Der Abstand ist also (x−m)2+(y−n)2. Setzt du ihn gleich r und quadrierst, erhältst du die Kreisgleichung.

−2 −1 1 2 3 4 5 6 −4 −3 −2 −1 1 2 3 M(2 | −1) r = 3 P Q R
Der Kreis (x − 2)² + (y + 1)² = 9. P liegt auf dem Kreis, Q innen (Abstand √8 < 3), R außen (Abstand √18 > 3).

Die Kugelgleichung

Im Raum kommt eine dritte Koordinate hinzu. Der Abstand von P(x|y|z) zu M(m1|m2|m3) ist die Länge des Vektors MP→, siehe Betrag eines Vektors. Pythagoras wird zweimal angewendet, das ergibt die Kugelgleichung.

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Mittelpunkt und Radius ablesen

Steht die Gleichung in der Form von oben, liest du Mittelpunkt und Radius direkt ab. Achte auf die Vorzeichen: Aus (y+2)2 folgt m2=−2. Oft ist die Gleichung aber ausmultipliziert, zum Beispiel x2+y2+z2−2x+4y−6z−11=0. Dann hilft die quadratische Ergänzung, dieselbe Methode wie bei den verschobenen Kegelschnitten:

  1. Sortiere die Terme nach x, y und z. Die Faktoren vor x2, y2 und z2 müssen 1 sein, sonst teilst du die Gleichung zuerst durch diese Zahl.
  2. Ergänze jede Gruppe zu einem vollständigen Quadrat, zum Beispiel x2−2x=(x−1)2−1.
  3. Bringe alle Zahlen auf die rechte Seite.
  4. Lies M und r2 ab.

Es gibt eine fertige Formel. Für x2+y2+z2+ax+by+cz+d=0 ist M(−a2|−b2|−c2) und

r2=a2+b2+c24−d.

Im Beispiel ist a=−2, b=4, c=−6, d=−11, also r2=4+16+364+11=25. Der Wert von r2 entscheidet, ob es überhaupt eine Kugel gibt:

Was die Gleichung beschreibt
Wert von r2Menge der Lösungen
r2>0Kugel mit dem Radius r=r2
r2=0nur der Mittelpunkt
r2<0kein Punkt

So hat x2+y2+z2−2x+4y−6z+20=0 den Wert r2=14−20=−6. Es gibt keinen Punkt, der diese Gleichung erfüllt.

Lage eines Punktes zur Kugel

Du berechnest das Quadrat des Abstands d2 von P zum Mittelpunkt, indem du P in die linke Seite der Kugelgleichung einsetzt, und vergleichst es mit r2. Ein Wurzelziehen ist nicht nötig.

Lage von drei Punkten zur Kugel K mit Mittelpunkt (1|−2|3) und r = 5
PunktEinsetzenVergleich mit 25Lage
A(4|2|3)32+42+02=25gleichauf der Kugel
B(2|−1|5)12+12+22=6kleinerinnerhalb
C(6|4|6)52+62+32=70größeraußerhalb

Der Abstand von C zum Mittelpunkt ist 70≈8,37. Zur Kugeloberfläche fehlen noch 70−5≈3,37 Längeneinheiten.

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Gerade und Kugel

Eine Gerade kann eine Kugel in zwei Punkten schneiden (Sekante), in einem Punkt berühren (Tangente) oder an ihr vorbeilaufen (Passante). Im Kreis ist es genauso.

Sekante zwei Schnittpunkte, D > 0 Tangente ein Berührpunkt, D = 0 Passante kein Schnittpunkt, D < 0
Drei Lagen einer Geraden zu einem Kreis oder zu einer Kugel. Setzt du die Gerade in die Gleichung ein, entscheidet die Diskriminante D der entstehenden quadratischen Gleichung.
  1. Schreibe die Gerade in Parameterform, wie bei den Geraden im Raum: x, y und z hängen von t ab.
  2. Setze diese drei Ausdrücke in die Kugelgleichung ein.
  3. Löse die entstehende quadratische Gleichung in t. Ihre Diskriminante D zeigt die Lage: D>0 zwei Lösungen, D=0 eine, D<0 keine.
  4. Setze die Lösungen für t in die Geradengleichung ein. Das liefert die Schnittpunkte.
Drei Geraden zur Kugel K
GeradeGleichung in tDLage
(4|6|−1)+t·(0|−1|1)t2−12t+32=016Sekante, Punkte (4|2|3) und (4|−2|7)
(6|−5|−1)+t·(0|3|4)t2−2t+1=00Tangente, Berührpunkt (6|−2|3)
(1|−2|10)+t·(1|0|0)t2+24=0−96Passante, kein gemeinsamer Punkt

Bei der Tangente steht die Richtung (0|3|4) senkrecht auf dem Radius zum Berührpunkt: MB→=(5|0|0), und das Skalarprodukt ist 0. Alternativ bestimmst du den Abstand des Mittelpunkts von der Geraden, wie bei den Abständen Punkt und Gerade, und vergleichst ihn mit r.

In der Ebene geht es genauso. Für den Kreis x2+y2=25 und die Gerade y=x+1 ist x2+(x+1)2=25, also x2+x−12=0 und x=3 oder x=−4. Die Schnittpunkte sind (3|4) und (−4|−3).

Ebene und Kugel

Für eine Ebene E in Koordinatenform ax+by+cz=e berechnest du den Abstand des Mittelpunkts, wie bei den Abständen Punkt und Ebene:

d=|am1+bm2+cm3−e|a2+b2+c2.

Der Vergleich von d mit r entscheidet über die Lage:

Lage einer Ebene zu einer Kugel
AbstandLageGemeinsame Punkte
d<rEbene schneidet die Kugelein Kreis (Schnittkreis)
d=rEbene berührt die Kugelein Punkt, Tangentialebene
d>rEbene liegt außerhalbkeine

Der Schnittkreis

Der Mittelpunkt F des Schnittkreises ist der Lotfußpunkt von M auf E. Schneidest du die Kugel senkrecht zur Ebene durch M, entsteht ein rechtwinkliges Dreieck aus M, F und einem Punkt S des Schnittkreises. Seine Seiten sind d, der Radius ρ des Schnittkreises und r:

M F S d = 3 r = 5 ρ = 4 Ebene E Schnitt durch die Kugel senkrecht zur Ebene: ρ² = r² − d² 16 = 25 − 9
Die Ebene schneidet die Kugel in einem Kreis. Sein Mittelpunkt F ist der Lotfußpunkt von M, sein Radius ergibt sich aus dem rechtwinkligen Dreieck MFS: ρ² = r² − d².

Die Tangentialebene

Berührt eine Ebene die Kugel in einem Punkt B, steht sie dort senkrecht auf dem Radius MB→. Dieser Vektor ist ein Normalenvektor der Tangentialebene. Mit dem Punkt B als Aufpunkt kannst du die Ebene in Normalenform und Koordinatenform aufstellen, siehe Koordinatenform.

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Typische Fehler

Übungen

Geschichte: vom Zirkel zur Gleichung

Die griechischen Mathematiker beschrieben Kreis und Kugel noch ohne Koordinaten. Euklid erklärt in den Elementen um 300 v. Chr. den Kreis über gleiche Abstände zum Mittelpunkt und die Kugel als den Körper, der entsteht, wenn sich ein Halbkreis um seinen Durchmesser dreht. Gleichungen gab es nicht, man argumentierte mit Figuren.

Das änderte sich 1637, als René Descartes in La Géométrie Geometrie und Algebra verband und Kurven durch Gleichungen beschrieb. Unabhängig davon arbeitete Pierre de Fermat ähnlich. Systematisch untersucht wurden Kurven und Flächen zweiter Ordnung im 18. Jahrhundert unter anderem von Leonhard Euler, zu ihnen gehört die Kugel. Die kurze Vektorschreibweise |x→−m→|=r wurde erst durch die Vektorrechnung des 19. Jahrhunderts üblich, mehr dazu bei der Geschichte der Vektoren.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich in einer Gleichung eine Kugel?

Die Gleichung hat die Terme x2, y2 und z2 mit demselben Faktor, keine gemischten Terme wie xy, und nach der quadratischen Ergänzung steht rechts eine positive Zahl r2. Andere Vorfaktoren führen zu Ellipsoiden, gemischte Terme zu gedrehten Flächen.

Wie beschreibt man einen Kreis im Raum?

Mit zwei Gleichungen: der Kugel und der Ebene, in der er liegt. Der Kreis besteht aus den Punkten, die beide Gleichungen erfüllen. Mittelpunkt und Radius ergeben sich wie im Abschnitt über den Schnittkreis.

Wie viele Punkte legen eine Kugel fest?

Vier Punkte, die nicht in einer gemeinsamen Ebene liegen. Setzt du sie in die Kugelgleichung ein, bekommst du vier Gleichungen für m1, m2, m3 und r. Bei einem Kreis genügen drei Punkte, die nicht auf einer Geraden liegen.

Muss ich eine Gerade immer in die Kugelgleichung einsetzen?

Nein. Du kannst auch den Abstand des Mittelpunkts von der Geraden berechnen und mit r vergleichen. Einsetzen liefert aber gleich die Schnittpunkte, und die Diskriminante zeigt die Lage.

Quellen und weiterführende Literatur

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