Mathematik lernen · Klasse 5–7

Winkel

Von der Uhr bis zur Dachschräge: Du lernst die Winkelarten kennen, misst und zeichnest Winkel mit dem Geodreieck und rechnest mit Neben-, Scheitel-, Stufen- und Wechselwinkeln. Dazu kommen die Winkelsumme im Dreieck und im Vieleck und die Winkel an der Uhr.

Winkel
Bild: Petrus3743, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Ein Winkel sagt dir, wie weit du dich drehen musst, um von einer Richtung zu einer anderen zu kommen. In der Geometrie entsteht er, wenn zwei Strahlen im selben Punkt beginnen. Du begegnest Winkeln überall: an der Uhr, an der Tür, an der Dachschräge und an jeder Straßenkreuzung. Gemessen werden sie in Grad, geschrieben mit dem Zeichen °.

Hier lernst du die Winkelarten, das Messen und Zeichnen mit dem Geodreieck und die wichtigsten Regeln für Winkel an Geraden. Dazu kommen die Winkelsumme in Dreieck, Viereck und Vieleck und die Winkel an der Uhr. Einen Überblick findest du im Abschnitt Winkel der Seite Geometrie. Zum Üben gibt es das Arbeitsblatt Winkel berechnen.

Was ist ein Winkel?

Zeichne zwei Strahlen, die im selben Punkt S beginnen. Dieser Punkt heißt Scheitel, die Strahlen heißen Schenkel. Zusammen begrenzen sie einen Winkel. Den Winkel markierst du mit einem Bogen und gibst ihm einen Namen, meistens einen griechischen Buchstaben: α (Alpha), β (Beta), γ (Gamma), δ (Delta).

α S A B Scheitel Schenkel Schenkel
Ein Winkel hat einen Scheitel S und zwei Schenkel. Der Bogen zeigt, welchen Winkel man meint, hier α. Mit Punkten schreibt man ihn ∠ASB, der Scheitel steht in der Mitte.

Du kannst den Winkel auch mit drei Punkten benennen: ∠ASB. Der Scheitel steht immer in der Mitte. Gemessen wird der Winkel gegen den Uhrzeigersinn, vom ersten zum zweiten Schenkel.

Die Winkelarten

Winkel werden nach ihrer Größe in sechs Arten eingeteilt. Eine volle Umdrehung hat 360°. Ein halber Kreis ergibt den gestreckten Winkel mit 180°, ein Viertelkreis den rechten Winkel mit 90°.

spitz 0° bis 90° rechter Winkel 90° stumpf 90° bis 180° gestreckt 180° überstumpf 180° bis 360° Vollwinkel 360°
Die sechs Winkelarten. Der Bogen zeigt jeweils, wie weit sich der zweite Schenkel vom ersten weggedreht hat.
Die sechs Winkelarten
WinkelartGrößeBeispiel
spitzer Winkel0° bis 90°Spitze eines Bleistifts
rechter Winkel90°Ecke eines Blattes
stumpfer Winkel90° bis 180°Uhrzeiger um 4 Uhr
gestreckter Winkel180°gerade Linie
überstumpfer Winkel180° bis 360°Pizza mit einem Stück weniger
Vollwinkel360°ganze Umdrehung

Als Merkhilfe: Ein spitzer Winkel ist „spitz“ wie eine Nadel, ein stumpfer „stumpf“ wie ein abgebrochener Stift. Zwei Winkel, die zusammen 90° ergeben, heißen Komplementwinkel, bei 180° heißen sie Supplementwinkel. So ist 35° die Ergänzung von 55° zum rechten Winkel.

Winkel messen und zeichnen

Zum Messen brauchst du ein Geodreieck oder einen Winkelmesser. Auf der Halbkreisskala stehen zwei Zahlenreihen, eine von links nach rechts und eine von rechts nach links. Du musst die Reihe lesen, die an dem Schenkel mit 0 beginnt.

0 180 30 150 60 120 90 90 120 60 150 30 180 0 50° Scheitel in der Mitte Null
So liest du einen Winkel ab: Scheitel in die Mitte, einen Schenkel auf die Null der Skala legen und dort ablesen, wo der zweite Schenkel die Skala schneidet. Hier beginnt die äußere Skala am rechten Schenkel bei 0, also ist der Winkel 50°.

So misst du einen Winkel:

  1. Lege den Mittelpunkt der Skala genau auf den Scheitel.
  2. Drehe das Geodreieck, bis ein Schenkel auf der Nulllinie liegt.
  3. Suche die Zahlenreihe, die an diesem Schenkel mit 0 beginnt.
  4. Lies dort ab, wo der zweite Schenkel die Skala schneidet.

Ist der Schenkel zu kurz, verlängerst du ihn mit dem Lineal. Prüfe das Ergebnis mit dem Augenmaß: Ein spitzer Winkel hat weniger als 90°, ein stumpfer mehr.

Wie du einen Winkel ohne Geodreieck mit Zirkel und Lineal halbierst, zeigt der Abschnitt Winkelhalbierende. Zum Zeichnen gehst du umgekehrt vor. Du zeichnest einen Schenkel, legst das Geodreieck mit dem Mittelpunkt auf den Scheitel und der Nulllinie auf dem Schenkel an, machst bei der gewünschten Gradzahl einen Punkt und verbindest ihn mit dem Scheitel.

Nebenwinkel und Scheitelwinkel

Wenn sich zwei Geraden schneiden, entstehen vier Winkel. Zwei davon liegen immer nebeneinander und zwei einander gegenüber.

α β α β
Zwei Geraden schneiden sich und bilden vier Winkel. Gegenüberliegende Winkel (Scheitelwinkel) sind gleich groß: zweimal α, zweimal β. Nebeneinanderliegende Winkel (Nebenwinkel) ergeben zusammen 180°: α + β = 180°.

Warum gilt das? Nebenwinkel bilden zusammen eine gerade Linie, also einen gestreckten Winkel. Ein Winkel α hat zwei Nebenwinkel β. Sein Scheitelwinkel ist ebenfalls zu β ein Nebenwinkel. Beide ergänzen β zu 180°, also sind sie gleich groß.

Winkel an Parallelen

Schneidet eine Gerade t zwei Parallelen g und h, entstehen an beiden Schnittpunkten dieselben Winkel. Die Zeichnung zeigt die wichtigsten.

g h t α α α β
An Parallelen g und h gilt: Die beiden blauen Winkel α sind Stufenwinkel. Das türkisfarbene α am oberen Schnittpunkt ist Wechselwinkel zum blauen α unten. Alle drei sind gleich groß. Der Winkel β neben α ergänzt es zu 180°.

Die Wechselwinkel lassen sich aus den anderen Regeln folgern: Das türkisfarbene α in der Zeichnung ist der Scheitelwinkel des oberen blauen α, und das ist ein Stufenwinkel zum unteren.

Winkelsumme in Dreieck, Viereck und Vieleck

Im Dreieck ergeben die drei Innenwinkel immer 180°. Das lässt sich mit einer Parallelen zeigen. Du zeichnest durch eine Ecke die Parallele zur gegenüberliegenden Seite.

α β α β γ A B C Parallele zu AB
Beweis der Winkelsumme: Die Parallele durch C erzeugt Wechselwinkel. Bei C liegen dann α, γ und β nebeneinander und bilden zusammen einen gestreckten Winkel von 180°.

Die Wechselwinkel an der Parallelen sind so groß wie α und β. An der Ecke C liegen jetzt α, γ und β nebeneinander und bilden einen gestreckten Winkel. Also gilt:

α+β+γ=180°

Ein Viereck zerlegst du mit einer Diagonalen in zwei Dreiecke. Seine Winkelsumme ist 2 · 180° = 360°. Bei einem Vieleck mit n Ecken ziehst du von einer Ecke alle Diagonalen und erhältst n − 2 Dreiecke.

Winkelsummen im Vieleck
EckenWinkelsummeWinkel im regelmäßigen Vieleck
3180°60°
4360°90°
5540°108°
6720°120°
7900°etwa 128,6°
81080°135°

Mehr über das Dreieck mit seinen Winkelsätzen steht auf der Seite Dreiecke, über die Vierecke auf der Seite Vierecke.

Winkel an der Uhr

Die Uhr ist ein Kreis mit zwei Zeigern, und das ist ein schönes Übungsfeld für Winkel. Der Minutenzeiger macht in 60 Minuten eine ganze Umdrehung, also dreht er sich pro Minute um 360° : 60 = 6°. Der Stundenzeiger braucht für 12 Stunden eine Umdrehung, das sind 30° pro Stunde oder 0,5° pro Minute. Gemessen wird von der 12 aus im Uhrzeigersinn.

12 3 6 9 75° Stundenzeiger bei 105° Minutenzeiger bei 180°
Um 3:30 Uhr steht der Minutenzeiger 180° von der 12 entfernt und der Stundenzeiger 3,5 · 30° = 105°. Der Winkel zwischen den Zeigern ist 180° − 105° = 75°.

Typische Fehler

Übungen

Geschichte: Warum 360 Grad?

Dass ein Kreis 360° hat, ist eine Verabredung, und warum man sie traf, weiß man nicht sicher. Eine Erklärung: Ein Jahr hat ungefähr 360 Tage, und die Sonne rückt am Himmel pro Tag etwa ein Grad weiter. Eine andere: Die Babylonier rechneten mit der Zahl 60, dem Sexagesimalsystem, und 360 ist ein Vielfaches davon. Außerdem hat 360 sehr viele Teiler, nämlich 24, sodass sich der Kreis leicht teilen lässt. Griechische Astronomen wie Hipparchos teilten den Kreis in 360 Grad, jeden Grad in 60 Bogenminuten.

In der Geometrie des Euklid (um 300 v. Chr.) gibt es noch keine Gradzahlen. Euklid beschreibt Winkel als „Neigung“ zweier Linien zueinander und vergleicht sie mit dem rechten Winkel. In seinen Elementen steht als Satz 32 in Buch 1, dass die drei Winkel eines Dreiecks zusammen zwei rechte Winkel ergeben. Das ist unsere Winkelsumme von 180°. Der Mathematikhistoriker Thomas Heath hält es für möglich, dass sie schon Thales von Milet bekannt war.

In der Oberstufe misst man Winkel oft im Bogenmaß, 180° entsprechen dort π. Mehr dazu steht im Abschnitt Bogenmaß.

Häufige Fragen

Kann ein Winkel größer als 360° sein?

In der Schulgeometrie meist nicht, denn mit 360° ist die Drehung einmal herum. Ein Winkel von 400° entspricht aber derselben Richtung wie 40°. In der Physik und in der Oberstufe sind auch größere Winkel erlaubt, wenn man mehrere Umdrehungen zählen will.

Gibt es andere Einheiten für Winkel?

Ja. Das Bogenmaß (Radiant) rechnet mit 2π für den Vollwinkel, es wird in der Oberstufe wichtig. In der Vermessung benutzt man das Gon, bei dem der Vollwinkel 400 gon hat und der rechte Winkel 100 gon.

Wie groß ist der Winkel zwischen den Zeigern um 12 Uhr?

Beide Zeiger zeigen auf die 12, der Winkel ist 0°. Um 6 Uhr bilden sie eine gerade Linie, der Winkel ist 180°.

Was ist der Unterschied zwischen Nebenwinkel und Scheitelwinkel?

Nebenwinkel liegen nebeneinander und ergeben zusammen 180°. Scheitelwinkel liegen sich gegenüber und sind gleich groß.

Quellen und weiterführende Literatur