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Mathematik lernen · Studium

Skalarprodukt, Orthogonalität und Spektralsatz

Mit dem Skalarprodukt werden Längen und Winkel in beliebigen Vektorräumen möglich. Du lernst Orthonormalbasen, die orthogonale Projektion, das Gram-Schmidt-Verfahren und den Spektralsatz, der symmetrische Matrizen auf Diagonalgestalt bringt.

Ein Vektorraum allein kennt keine Längen und keine Winkel. Er erlaubt nur Summen und Vielfache. Erst ein Skalarprodukt macht daraus einen Raum, in dem man messen kann: Länge eines Vektors, Winkel zwischen Vektoren, Abstand und vor allem Orthogonalität. Sie ist das Werkzeug für die beste Näherung, für numerisch stabile Rechnungen und für den Spektralsatz, den schönsten Satz der Linearen Algebra II.

Du kennst das Skalarprodukt im ℝn aus der Seite Vektoren. Hier wird es axiomatisch eingeführt, sodass es auch für Funktionenräume gilt, und mit zwei Algorithmen verbunden, Orthogonalprojektion und Gram-Schmidt. Voraussetzungen sind Vektorräume, lineare Abbildungen und Eigenwerte.

Das Skalarprodukt

Beispiele für Skalarprodukte
RaumSkalarprodukt
ℝn⟨x,y⟩=∑i=1nxiyi (Standard)
ℝn mit positiven Gewichten wi⟨x,y⟩=∑wixiyi
C[a,b] (stetige Funktionen)⟨f,g⟩=∫abf(x)g(x)dx
ℝm×n (Matrizen)⟨A,B⟩=Spur(A⊤B)

Der Nachweis von (S3) für das Integral: ⟨f,f⟩=∫f2≥0, und für eine stetige Funktion f≠0 ist f2 in einer ganzen Umgebung einer Stelle positiv, das Integral also positiv.

Beweis. Für v=0 ist alles klar. Sei v≠0 und λ=⟨u,v⟩⟨v,v⟩. Dann gilt 0≤⟨u−λv,u−λv⟩=⟨u,u⟩−2λ⟨u,v⟩+λ2⟨v,v⟩. Mit dem Wert von λ ist das gleich ‖u‖2−⟨u,v⟩2‖v‖2. Umstellen ergibt die Behauptung. Gleichheit gilt genau dann, wenn u−λv=0 ist.

Aus Cauchy-Schwarz folgt die Dreiecksungleichung ‖u+v‖≤‖u‖+‖v‖, denn ‖u+v‖2=‖u‖2+2⟨u,v⟩+‖v‖2≤(‖u‖+‖v‖)2. Damit ist d(u,v)=‖u−v‖ eine Metrik (siehe Metrische Räume). Wegen |⟨u,v⟩‖u‖‖v‖|≤1 lässt sich der Winkel durch cos⁡θ=⟨u,v⟩‖u‖‖v‖ erklären, in jedem euklidischen Raum.

Orthogonalität und Orthonormalbasen

Zwei Vektoren heißen orthogonal (u⊥v), wenn ⟨u,v⟩=0. Aus ‖u+v‖2=‖u‖2+‖v‖2 für u⊥v folgt der Satz des Pythagoras. Ein System u1,…,uk heißt Orthonormalsystem, wenn ⟨ui,uj⟩=δij gilt (paarweise orthogonal, jeweils Länge 1). Orthogonale Vektoren ungleich 0 sind automatisch linear unabhängig: Aus ∑ciui=0 folgt durch Skalarprodukt mit uj sofort cj=0.

Koordinaten bekommt man also ohne ein Gleichungssystem zu lösen. Das ist der Vorteil orthogonaler Basen. Eine Matrix Q, deren Spalten eine ONB bilden, heißt orthogonal. Sie erfüllt Q⊤Q=E, also Q−1=Q⊤, und erhält Längen und Winkel. Orthogonale Matrizen sind Drehungen und Spiegelungen (siehe Determinanten: det⁡Q=±1).

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Orthogonale Projektion

Die Projektion von v auf die Richtung von u≠0 ist projuv=⟨v,u⟩⟨u,u⟩u. Der Rest v−projuv steht senkrecht auf u. Allgemeiner:

Beweis. Für w∈U steht v−Pv senkrecht auf Pv−w∈U, also ist nach Pythagoras ‖v−w‖2=‖v−Pv‖2+‖Pv−w‖2≥‖v−Pv‖2.

Die Menge aller Vektoren, die auf U senkrecht stehen, heißt orthogonales Komplement U⊥. Es gilt V=U⊕U⊥ und dim⁡U+dim⁡U⊥=dim⁡V.

Das Gram-Schmidt-Verfahren

Aus jeder Basis v1,…,vn lässt sich eine Orthonormalbasis konstruieren, indem man von jedem neuen Vektor den Anteil abzieht, der in Richtung der bereits konstruierten liegt:

Warum es funktioniert. Der Vektor wk ist vk minus seiner Projektion auf span(u1,…,uk−1), steht also senkrecht auf allen früheren ui. Er ist nicht 0, weil vk von v1,…,vk−1 linear unabhängig ist.

Fasst man die Rechnung als Matrix zusammen, erhält man die QR-Zerlegung A=QR: Die Spalten von A sind die vk, die von Q die uk, und R ist eine obere Dreiecksmatrix mit rik=⟨ui,vk⟩ und rkk=‖wk‖. Im Beispiel ist r11=2, r22=3/2, r33=23. Die QR-Zerlegung ist ein Grundbaustein der numerischen Linearen Algebra (Ausgleichsrechnung, Eigenwertverfahren). In Rechnern nutzt man statt des klassischen Verfahrens stabilere Varianten wie Householder-Spiegelungen.

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Der Spektralsatz für symmetrische Matrizen

Beweis in drei Schritten.

  1. Reelle Eigenwerte. Sei Ax=λx mit einem komplexen Eigenwert λ und x≠0. Dann gilt λ‖x‖2=⟨Ax,x⟩=⟨x,Ax⟩=λ¯‖x‖2 (das komplexe Skalarprodukt, A ist reell und symmetrisch). Also ist λ=λ¯.
  2. Orthogonale Eigenräume. Ist Ax=λx und Ay=μy mit λ≠μ, so gilt λ⟨x,y⟩=⟨Ax,y⟩=⟨x,Ay⟩=μ⟨x,y⟩, also ⟨x,y⟩=0.
  3. Induktion. Es gibt einen Eigenvektor x: Das charakteristische Polynom hat eine komplexe Nullstelle, und Schritt 1 zeigt, dass sie reell ist. Der Unterraum x⊥ ist A-invariant, denn aus ⟨y,x⟩=0 folgt ⟨Ay,x⟩=⟨y,Ax⟩=λ⟨y,x⟩=0. Auf ihm ist A wieder symmetrisch, und die Induktion liefert die Orthonormalbasis.

Der Satz erklärt, warum symmetrische Matrizen so gut zu handhaben sind: Man kann sie ohne Gleichungssystem diagonalisieren, mit Q−1=Q⊤, und Funktionen von A lassen sich über die Eigenwerte definieren, etwa Ak=QΛkQ⊤. Für nicht symmetrische Matrizen gilt der Satz nicht: (1101) ist nicht einmal diagonalisierbar (siehe Jordan-Normalform). Die Hauptachsentransformation von Kurven und Flächen zweiter Ordnung ist eine Anwendung auf der Seite Bilinearformen und Quadriken. Für unendlichdimensionale Räume (Hilberträume) gilt eine Verallgemeinerung für selbstadjungierte Operatoren.

Typische Fehler

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Übungen

Geschichte: von Längen zu Funktionenräumen

Die Ungleichung von Cauchy-Schwarz entstand in Etappen: Cauchy (1821) für Summen, Bunjakowski (1859) für Integrale, und Schwarz veröffentlichte später seine Fassung ohne Bezug auf Bunjakowski. Gram veröffentlichte sein Orthogonalisierungsverfahren 1883 im Journal für die reine und angewandte Mathematik (Band 94), Schmidt 1907 in den Mathematischen Annalen (Band 63). David Hilbert bewies 1906 in seiner vierten Mitteilung über Integralgleichungen den Spektralsatz für kompakte und beschränkte selbstadjungierte Operatoren. Daraus wuchs die Theorie der Hilberträume, in denen Skalarprodukt, Orthogonalität und Spektralsatz die Rolle übernehmen, die auf dieser Seite im Endlichdimensionalen gespielt wird.

Häufige Fragen

Wozu braucht man Orthonormalbasen?

Weil Koordinaten dann mit Skalarprodukten ausgerechnet werden (kein Gleichungssystem), weil orthogonale Matrizen Längen erhalten und numerisch stabil sind, und weil die Projektion auf Unterräume einfach wird.

Gilt der Spektralsatz auch für komplexe Matrizen?

Ja, für hermitesche Matrizen (A=A¯⊤) mit unitärer Matrix Q. Allgemeiner gilt er für alle normalen Matrizen, das sind die mit AA¯⊤=A¯⊤A.

Was ist der Unterschied zwischen Skalarprodukt und Kreuzprodukt?

Das Skalarprodukt liefert eine Zahl und gibt es in jedem euklidischen Raum. Das Kreuzprodukt liefert einen Vektor und gibt es nur im ℝ3.

Quellen und weiterführende Literatur

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