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Mathematik lernen · Studium

Bilinearformen und Quadriken: Definitheit und Hauptachsen

Quadratische Terme wie x² + 4xy + y² stecken in Extremwertaufgaben, Kegelschnitten und der Statistik. Du lernst, sie mit einer Matrix zu beschreiben, ihre Definitheit zu bestimmen und Kurven und Flächen zweiter Ordnung auf Hauptachsen zu bringen.

Ein Skalarprodukt ist ein Beispiel für etwas Allgemeineres: eine Bilinearform, also eine Abbildung, die in jedem von zwei Vektorargumenten linear ist. Ihre Diagonale, quadratische Formen wie q(x,y)=x2+4xy+y2, kommen überall vor: als zweite Ableitung bei der Suche nach Extrema, als Kegelschnitt und Fläche zweiter Ordnung in der Geometrie, als Energie in der Physik und als Varianz in der Statistik. Mit einer Matrix lässt sich jede dieser Formen rechnen. Man will ihr Verhalten erkennen: Ist sie immer positiv? Hat sie eine Normalform ohne gemischte Terme?

Diese Seite baut auf Skalarprodukt und Orthogonalität auf und nutzt den Spektralsatz. Sie liefert zugleich die Begründung für den Test mit der Hesse-Matrix in der mehrdimensionalen Analysis.

Bilinearformen und ihre Matrix

Hat V die Basis b1,…,bn, ist B durch die Gram-Matrix G=(B(bi,bj))i,j festgelegt, und für die Koordinatenvektoren gilt B(x,y)=x⊤Gy. Genau dann ist B symmetrisch, wenn G=G⊤. Zu einer quadratischen Form gibt es immer eine eindeutige symmetrische Matrix: Aus q(x,y)=ax2+bxy+cy2 wird G=(ab/2b/2c), denn der gemischte Term teilt sich auf die beiden Nebendiagonaleinträge auf.

Basiswechsel. Sind x=Sx′ und y=Sy′ die Koordinaten in einer neuen Basis (Spalten von S), dann ist B(x,y)=x′⊤(S⊤GS)y′. Die neue Gram-Matrix ist also G′=S⊤GS. Das ist etwas anderes als die Ähnlichkeit S−1AS bei linearen Abbildungen (siehe Lineare Abbildungen). Man nennt G und G′ kongruent. Nur für orthogonale S (mit S⊤=S−1) stimmen beide Begriffe überein.

Definitheit

Positiv definite Matrizen sind genau die Gram-Matrizen von Skalarprodukten. Zwei Kriterien erlauben die Entscheidung ohne Probieren:

Beweis von (a) ⇔ (b). Nach dem Spektralsatz ist G=QΛQ⊤ mit orthogonalem Q, und mit ξ=Q⊤x gilt q(x)=∑λiξi2. Das ist für alle ξ≠0 genau dann positiv, wenn alle λi>0 sind. Die Gleichwertigkeit mit (c) beweist man durch Induktion mit einer Elimination wie dem Gauß-Verfahren: Die Pivots sind die Quotienten Δk/Δk−1. Für negative Definitheit prüft man −G, für Indefinitheit genügt ein Eigenwert jeden Vorzeichens.

Das erklärt den Hesse-Test: Am kritischen Punkt a ist f(a+h)−f(a)≈12h⊤Hf(a)h, also entscheidet die Definitheit von Hf(a) über Minimum, Maximum und Sattelpunkt. Bei 2×2-Matrizen ist das Kriterium aus der Seite Mehrdimensionale Analysis (D>0 und fxx>0) genau das Hauptminorenkriterium.

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Diagonalisieren durch quadratische Ergänzung

Eine quadratische Form lässt sich auch ohne Eigenwerte auf Diagonalgestalt bringen, mit der quadratischen Ergänzung, die du aus der Schule kennst (siehe Quadratische Funktionen). Man fasst alle Terme mit x1 zu einem vollständigen Quadrat zusammen und fährt mit dem Rest fort.

Beweisidee. Angenommen, es gäbe zwei solche Darstellungen mit p>p′ positiven Quadraten. Der Raum U, der von den ersten p Basisvektoren der einen Darstellung aufgespannt wird, hat die Dimension p, und q ist auf ihm positiv. Der Raum W der anderen Darstellung, in dem die restlichen n−p′ Basisvektoren liegen, hat die Dimension n−p′, und dort ist q≤0. Wegen p+(n−p′)>n schneiden sich U und W in einem Vektor x≠0, mit q(x)>0 und q(x)≤0, ein Widerspruch.

Daraus folgt: Die Signatur entscheidet über die Definitheit ((n,0,0) positiv definit, (p,m,0) mit p,m>0 indefinit) und stimmt mit der Anzahl der positiven, negativen und verschwindenden Eigenwerte überein.

Hauptachsentransformation und Kegelschnitte

Mit dem Spektralsatz geht es sogar orthogonal. Ist G symmetrisch, gibt es eine orthogonale Matrix S mit S⊤GS=Λ=diag(λ1,…,λn), und in den neuen Koordinaten ξ=S⊤x gilt q=λ1ξ12+…+λnξn2. Die Spalten von S sind die Hauptachsen. Da S eine Drehung (eventuell mit Spiegelung) ist, bleibt die Gestalt der Menge erhalten, sie wird nur gedreht.

Für eine Kurve zweiter Ordnung {x⊤Gx=c} mit c>0 in der Ebene entscheiden die Vorzeichen der Eigenwerte:

Kegelschnitte λ1ξ2+λ2η2=c mit c>0
EigenwerteSignaturKurveHalbachsen
λ1,λ2>0(2,0)Ellipsec/λ1, c/λ2
λ1>0>λ2(1,1)Hyperbelc/λ1 (reelle Achse)
λ1=0<λ2(1,0), Rang 1zwei parallele GeradenAbstand 2c/λ2
λ1,λ2<0(0,2)leere Mengekeine

Die Parabel tritt auf, wenn die Form zusätzlich lineare Terme enthält und ein Eigenwert 0 ist. Die Kurven in ihren einfachsten Lagen beschreibt die Seite Kegelschnitte.

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Quadriken im Raum

Im ℝ3 liefert die Signatur der Matrix von x⊤Gx=1 die Flächen:

Zentrale Quadriken x⊤Gx=1 im ℝ3
SignaturNormalformFläche
(3,0)x2a2+y2b2+z2c2=1Ellipsoid
(2,1)x2a2+y2b2−z2c2=1einschaliges Hyperboloid
(1,2)x2a2−y2b2−z2c2=1zweischaliges Hyperboloid
(0,3)x2a2+y2b2+z2c2=−1leere Menge

Hinzu kommen die nicht zentralen Quadriken wie das elliptische Paraboloid z=x2a2+y2b2 und das hyperbolische Paraboloid z=x2a2−y2b2 (Sattelfläche), außerdem die Kegel, Zylinder und die Entartungen wie Ebenenpaare. Die Hesse-Matrix am Sattelpunkt einer Funktion f(x,y) beschreibt genau so eine Sattelfläche zweiter Ordnung.

Typische Fehler

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Übungen

Geschichte: von den Flächen zweiter Ordnung zur Signatur

Kegelschnitte und Flächen zweiter Ordnung beschäftigen die Mathematik seit der Antike. Dass sich quadratische Formen in beliebig vielen Variablen diagonalisieren lassen, war vor Sylvester bekannt, unter anderem durch Cauchy, Jacobi und Borchardt. James Joseph Sylvester veröffentlichte 1852 den Trägheitssatz, Jacobis früherer Beweis erschien 1857 nach seinem Tod. Auch Gauß soll das Ergebnis schon 1846 in Vorlesungen behandelt haben, wie sein Schüler Riemann berichtet. Die Definitheit ist heute die Grundlage der Optimierung, denn sie entscheidet, ob ein kritischer Punkt ein Minimum ist.

Häufige Fragen

Warum braucht man die Gram-Matrix, wenn es das Skalarprodukt gibt?

Weil nicht jede Bilinearform ein Skalarprodukt ist. Sie kann indefinit, semidefinit oder sogar alternierend sein, wie in der Relativitätstheorie (Minkowski-Metrik mit Signatur (3,1)) oder der Mechanik (symplektische Form).

Warum sind positive Eigenwerte und positive Hauptminoren gleichwertig?

Weil beide dieselbe Information enthalten, nämlich die Signatur. Die Hauptminoren sind einfacher zu berechnen (nur Determinanten), die Eigenwerte erlauben zusätzlich, die Hauptachsen anzugeben.

Was passiert bei Matrizen, die nicht symmetrisch sind?

Zur quadratischen Form q(x)=x⊤Ax gehört nur der symmetrische Anteil 12(A+A⊤), denn x⊤Ax=x⊤A⊤x. Für die Definitheit zählt daher dieser Anteil.

Quellen und weiterführende Literatur

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