Mathematik lernen · Klasse 6–8

Vierecke und Flächeninhalt

Quadrat, Rechteck, Raute, Parallelogramm, Trapez und Drachen: Du lernst ihre Eigenschaften im Haus der Vierecke kennen und leitest die Flächenformeln selbst her, indem du Figuren zerlegst und umbaust. Dazu kommen zusammengesetzte Flächen und die Flächeneinheiten.

Vierecke und Flächeninhalt
Bild: Jim.belk, Public domain · Wikimedia Commons

Ein Viereck hat vier Ecken, vier Seiten und vier Winkel. Du siehst Vierecke überall: als Blatt Papier, Fensterscheibe, Fußballfeld, Dachfläche und Spielbrett. Wenn du die Farbe für eine Wand, den Rasen für einen Garten oder den Bodenbelag für ein Zimmer kaufst, musst du den Flächeninhalt eines Vierecks berechnen.

Hier lernst du, welche Vierecke es gibt und wie sie zusammenhängen. Dann leitest du die Formeln für Umfang und Fläche her, rechnest mit zusammengesetzten Flächen und wechselst zwischen den Flächeneinheiten. Eine knappe Übersicht steht in den Abschnitten Vierecke und Flächen und Volumen der Seite Geometrie. Zum Üben dient das Arbeitsblatt Flächeninhalt und Umfang.

Was ist ein Viereck?

Die Ecken eines Vierecks heißen A, B, C und D, gegen den Uhrzeigersinn. Die Strecken zwischen gegenüberliegenden Ecken heißen Diagonalen. Sie heißen meist e (von A nach C) und f (von B nach D).

Zeichne eine Diagonale, dann zerfällt das Viereck in zwei Dreiecke. Jedes hat die Winkelsumme 180°, zusammen sind es also 2 · 180° = 360°. Das gilt für jedes Viereck. Mehr dazu steht bei den Winkelsummen.

Das Haus der Vierecke

Manche Vierecke sind Sonderfälle von anderen. Das Quadrat zum Beispiel ist ein Rechteck, bei dem alle Seiten gleich lang sind. Ein Diagramm, das diese Verwandtschaften zeigt, heißt Haus der Vierecke.

allgemeines Viereck Drachen Trapez Parallelogramm gleichschenkliges Trapez Raute Rechteck Quadrat
Das Haus der Vierecke. Ein Pfeil bedeutet: „ist ein Sonderfall von“. Je weiter unten ein Viereck steht, desto mehr Eigenschaften hat es. Das Quadrat steht ganz unten, denn es ist zugleich Raute und Rechteck.

Alles, was für ein Viereck weiter oben gilt, gilt auch für alle darunter, die von ihm abstammen. Ein Quadrat hat deshalb alle Eigenschaften von Rechteck, Raute, Parallelogramm und Trapez. Die Tabellen zeigen die wichtigsten Eigenschaften.

Seiten und Winkel
ViereckSeitenWinkel
Quadratalle gleich lang, Gegenseiten parallelvier rechte Winkel
RechteckGegenseiten gleich lang und parallelvier rechte Winkel
Rautealle gleich lang, Gegenseiten parallelgegenüberliegende Winkel gleich
ParallelogrammGegenseiten gleich lang und parallelgegenüberliegende Winkel gleich, Nachbarwinkel zusammen 180°
Trapezein Paar paralleler Seitenan jedem Schenkel zusammen 180°
gleichschenkliges TrapezSchenkel gleich langBasiswinkel gleich
Drachenzwei Paare gleich langer Nachbarseitenein Paar gleicher Gegenwinkel
Diagonalen und Symmetrie
ViereckDiagonalenSymmetrie
Quadratgleich lang, senkrecht, halbieren sich4 Achsen, punktsymmetrisch
Rechteckgleich lang, halbieren sich2 Achsen, punktsymmetrisch
Rautesenkrecht, halbieren sich2 Achsen, punktsymmetrisch
Parallelogrammhalbieren sichkeine Achse, punktsymmetrisch
gleichschenkliges Trapezgleich lang1 Achse
Drachensenkrecht, eine halbiert die andere1 Achse

Was Symmetrieachsen sind und wie man sie findet, steht auf der Seite Symmetrie und Abbildungen. Ein Trapez ohne weitere Besonderheit hat keine Symmetrie. Bei der Raute stehen die Diagonalen senkrecht aufeinander, sie sind aber meistens verschieden lang.

Umfang und Flächeninhalt

Der Umfang ist die Länge der Randlinie, also die Summe aller Seiten. Der Flächeninhalt sagt, wie viele Einheitsquadrate in das Viereck passen, zum Beispiel Quadrate mit 1 cm Seitenlänge. Ein solches Quadrat hat den Flächeninhalt 1 cm².

Rechteck und Quadrat

Ein Rechteck mit den Seiten 5 cm und 3 cm lässt sich mit Einheitsquadraten auslegen: 3 Reihen mit je 5 Quadraten, zusammen 15. Deshalb gilt:

Parallelogramm

Ein Parallelogramm lässt sich in ein Rechteck verwandeln. Du schneidest links ein Dreieck ab, dessen Seite senkrecht auf der Grundseite steht, und setzt es rechts wieder an. Das Rechteck hat dieselbe Grundseite g und dieselbe Höhe h.

g h Parallelogramm g Rechteck a c c a h zwei gleiche Trapeze Parallelogramm mit Grundseite a + c e f Raute oder Drachen: halbes Rechteck e × f
Flächen durch Umbauen: Das Parallelogramm wird zum Rechteck (A = g · h). Zwei Trapeze bilden ein Parallelogramm mit der Grundseite a + c, also ist A = (a + c) : 2 · h. Raute und Drachen füllen die Hälfte des Rechtecks aus den beiden Diagonalen.

Dreieck und Trapez

Zerschneidest du ein Parallelogramm entlang einer Diagonalen, erhältst du zwei gleiche Dreiecke. Ihre Fläche ist deshalb g · h : 2. Mehr dazu steht auf der Seite Dreiecke.

Beim Trapez setzt du ein zweites, gleiches Trapez um 180° gedreht an einen Schenkel an. So entsteht ein Parallelogramm mit der Grundseite a + c und der Höhe h. Das Trapez ist die Hälfte davon.

Raute und Drachen

Bei Raute und Drachen stehen die Diagonalen senkrecht aufeinander. Zeichnest du um das Viereck ein Rechteck, das so lang ist wie die eine und so hoch wie die andere Diagonale, nimmt das Viereck genau die Hälfte des Rechtecks ein.

Flächen und Umfänge im Überblick
ViereckFlächeUmfang
Quadrata · a4 · a
Rechtecka · b2 · (a + b)
Parallelogrammg · h2 · (a + b)
Rautee · f : 24 · a
Trapez(a + c) : 2 · ha + b + c + d
Drachene · f : 22 · (a + b)

Ein allgemeines Viereck zerlegst du mit einer Diagonalen in zwei Dreiecke und addierst ihre Flächen. Den Kreis, der sich nicht aus Vierecken zusammensetzen lässt, behandelt die Seite Kreis.

Zusammengesetzte Flächen

Viele Flächen im Alltag sind keine einfachen Vierecke. Dann zerlegst du sie in Rechtecke, Dreiecke und Trapeze, oder du ergänzt sie zu einem großen Rechteck und ziehst die fehlenden Stücke ab.

18 m² 50 m² 10 m 8 m 4 m 3 m 6 m 5 m
Ein L-förmiger Raum, in zwei Rechtecke zerlegt: 10 m · 5 m = 50 m² und 6 m · 3 m = 18 m². Zusammen sind das 68 m². Dasselbe Ergebnis liefert 10 m · 8 m − 4 m · 3 m = 80 m² − 12 m².

Flächeneinheiten

Flächen misst du in Quadrateinheiten. Weil ein Quadrat zwei Längen hat, ändert sich beim Umrechnen der Faktor zum Quadrat: 1 m = 100 cm, also ist 1 m² = 100 · 100 = 10.000 cm².

Flächeneinheiten
EinheitUmrechnung
1 cm²100 mm²
1 dm²100 cm²
1 m²100 dm² = 10.000 cm²
1 a (Ar)100 m²
1 ha (Hektar)100 a = 10.000 m²
1 km²100 ha = 1.000.000 m²

Mehr zum Umrechnen steht im Abschnitt Flächen der Seite Größen und Einheiten. Mit dem Flächenrechner kannst du deine Ergebnisse prüfen.

Typische Fehler

Übungen

Geschichte: Felder messen

Das Wort Geometrie bedeutet „Erdmessung“. Schon im alten Ägypten mussten Schreiber Felder vermessen und die Ernte berechnen. Nach den erhaltenen Rechenaufgaben berechnete man Rechtecke als Länge mal Breite, Dreiecke als halbe Grundseite mal Höhe und Trapeze mit dem Mittelwert der parallelen Seiten. Das steht auf der Seite Ägyptische Mathematik.

Die Griechen suchten Begründungen für solche Regeln. In den Elementen des Euklid steht in Buch 1 der Satz 35: Parallelogramme mit derselben Grundseite zwischen denselben Parallelen haben denselben Flächeninhalt. Das ist genau die Idee des Umbauens von oben, ohne Formel und ohne Zahlen.

Häufige Fragen

Ist jedes Quadrat ein Rechteck?

Ja. Ein Rechteck hat vier rechte Winkel, und das hat auch jedes Quadrat. Umgekehrt ist nicht jedes Rechteck ein Quadrat, denn die Seiten müssen nicht alle gleich lang sein.

Was ist der Unterschied zwischen Raute und Drachen?

Bei der Raute sind alle vier Seiten gleich lang. Beim Drachen sind nur zwei Paare nebeneinanderliegender Seiten gleich lang. Jede Raute ist ein Drachen, aber nicht jeder Drachen ist eine Raute.

Welche Höhe nehme ich beim Parallelogramm?

Die Höhe, die zur gewählten Grundseite gehört. Sie steht senkrecht auf ihr und reicht bis zur gegenüberliegenden Seite. Mit der anderen Grundseite hast du eine andere Höhe, das Ergebnis ist dasselbe.

Warum ist 1 m² gleich 10.000 cm²?

Ein Quadrat von 1 m Seitenlänge ist 100 cm lang und 100 cm breit. Es passen also 100 · 100 = 10.000 Quadrate mit 1 cm Seitenlänge hinein.

Quellen und weiterführende Literatur