Mathematik lernen · Klasse 9 bis Studium
Modulare Arithmetik
Auf der Uhr ist 9 plus 5 gleich 2. Du lernst das Rechnen mit Resten: Kongruenz und Rechenregeln, warum Teilbarkeitsregeln stimmen, wie Prüfziffern Fehler aufdecken und wie Fermat und der chinesische Restsatz Rechnungen vereinfachen.

Die modulare Arithmetik ist das Rechnen mit Resten. Du kennst sie von der Uhr: Fünf Stunden nach 9 Uhr ist es nicht 14 Uhr, sondern 2 Uhr. Auf dem Zifferblatt zählt nur der Rest, der beim Teilen durch 12 übrig bleibt. Man sagt: Du rechnest modulo 12. Die Zahl 12 heißt dabei Modul.
Dieselbe Idee steckt in den Wochentagen (modulo 7), in Teilbarkeitsregeln, in den Prüfziffern auf Büchern und Kontonummern und in der Verschlüsselung. Du brauchst nur die Division mit Rest und den größten gemeinsamen Teiler.
Division mit Rest
Teilst du a durch m, passt m eine ganze Zahl q mal in a, und es bleibt ein Rest r übrig, der kleiner als m ist. Das schreibst du als mit . Den Rest bezeichnet man mit („a modulo m“).
| a | m | Zerlegung | Rest |
|---|---|---|---|
| 47 | 5 | 2 | |
| 123 | 7 | 4 | |
| −7 | 5 | 3 |
Der Rest ist nie negativ. Bei geht man deshalb nicht bis hoch, sondern bis hinunter und hat dann den Rest 3.
Uhrenrechnen
Auf dem Zifferblatt kehrt man nach 12 Stunden zum Anfang zurück. Rechnest du Stunden, behältst du nur den Rest nach dem Teilen durch 12 (die 12 selbst steht dabei für den Rest 0).
Mit 24-Stunden-Uhr rechnest du modulo 24, bei Wochentagen modulo 7. Wenn heute Mittwoch ist, welcher Tag ist in 100 Tagen? Es ist , also bleibt der Rest 2: Es ist Freitag.
Kongruenz
Zwei Zahlen, die bei der Division durch m denselben Rest lassen, heißen kongruent modulo m. Diese Schreibweise führte Carl Friedrich Gauß 1801 ein (Disquisitiones Arithmeticae).
Rechenregeln
Das Wichtigste an der Kongruenz: Du darfst Zahlen durch kongruente Zahlen ersetzen. Sind und , dann gilt auch
Das spart viel Rechenarbeit, denn du rechnest nur mit den kleinen Resten.
Beim Teilen musst du aufpassen. Aus darfst du nicht einfach folgern. Es ist und , und beide haben modulo 12 den Rest 8. Aber 2 und 5 sind modulo 12 nicht kongruent. Kürzen geht nur, wenn c und m teilerfremd sind. Das behandelt der Abschnitt über modulare Inverse.
Restklassen
Alle Zahlen mit demselben Rest bilden eine Restklasse. Modulo 5 gibt es fünf: die Zahlen mit Rest 0 (…, −5, 0, 5, 10, …), mit Rest 1 (…, −4, 1, 6, 11, …) und so weiter. Man rechnet mit Vertretern aus . Die folgende Tabelle zeigt die Multiplikation modulo 7.
| · | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 2 | 2 | 4 | 6 | 1 | 3 | 5 |
| 3 | 3 | 6 | 2 | 5 | 1 | 4 |
| 4 | 4 | 1 | 5 | 2 | 6 | 3 |
| 5 | 5 | 3 | 1 | 6 | 4 | 2 |
| 6 | 6 | 5 | 4 | 3 | 2 | 1 |
In jeder Zeile steht die 1 genau einmal. Das heißt: Zu jeder Zahl von 1 bis 6 gibt es eine Zahl, mit der sie multipliziert den Rest 1 ergibt. Zum Beispiel ist . Man nennt 5 das Inverse von 3 modulo 7. Das klappt bei 7, weil 7 eine Primzahl ist.
Teilbarkeitsregeln begründen
Die Regeln aus der Schule folgen aus der Kongruenz. Eine Zahl wie 4872 ist . Modulo 9 ist , also auch und . Damit ist
Jede Zahl ist modulo 9 kongruent zu ihrer Quersumme. Weil 3 ein Teiler von 9 ist, gilt dasselbe modulo 3. Modulo 11 ist . Dann wechseln die Vorzeichen: Jede Zahl ist kongruent zu ihrer alternierenden Quersumme.
| Teiler | Regel | Grund |
|---|---|---|
| 2, 5, 10 | letzte Ziffer | , , |
| 4 | letzte zwei Ziffern | |
| 3, 9 | Quersumme | |
| 11 | alternierende Quersumme |
Prüfziffern
Eine Prüfziffer ist eine Ziffer, die aus den anderen berechnet wird. Tippst du dich einmal, stimmt die Rechnung nicht mehr, und der Fehler fällt auf. Dahinter steckt modulare Arithmetik.
ISBN-13
Bei der ISBN-13 (und der Strichcode-Nummer EAN-13) multiplizierst du die Ziffern abwechselnd mit 1 und 3, addierst und rechnest modulo 10. Das Ergebnis muss 0 sein. Die letzte Ziffer ist die Prüfziffer.
Warum 1 und 3 abwechselnd? Vertauscht du zwei benachbarte Ziffern a und b, ändert sich die Summe um . Das fällt auf, es sei denn, a und b unterscheiden sich um 5 (zum Beispiel 2 und 7). Dann ist die Änderung durch 10 teilbar.
IBAN
Die IBAN, die internationale Kontonummer, benutzt Prüfziffern modulo 97. So prüfst du sie: Stelle die ersten vier Zeichen ans Ende, ersetze Buchstaben durch Zahlen (A = 10, B = 11, bis Z = 35) und rechne die entstehende lange Zahl modulo 97. Für eine gültige IBAN muss der Rest 1 sein.
Modulare Inverse und Teilen
Das Inverse von a modulo m ist eine Zahl x mit . Es gibt es genau dann, wenn a und m teilerfremd sind, also . Mit dem Inversen kannst du „teilen“: Aus folgt durch Multiplikation mit dem Inversen von a die Lösung.
Gefunden wird das Inverse mit dem erweiterten euklidischen Algorithmus (Euklidischer Algorithmus). Er rechnet den ggT aus und liefert dazu Zahlen x und y mit . Modulo m ist dann .
Der kleine Satz von Fermat
Die Potenzen einer Zahl wiederholen sich modulo einer Primzahl nach spätestens Schritten. Das beschrieb Pierre de Fermat um 1640 (Kleiner fermatscher Satz).
Leonhard Euler verallgemeinerte den Satz 1763 auf beliebige Moduln (Eulers Zahlentheorie). Das ist die Grundlage der Verschlüsselung RSA, die Reste großer Potenzen nutzt. Wie das mit kleinen Zahlen aussieht, zeigt der Magazinbeitrag Primzahlen und Verschlüsselung.
Der chinesische Restsatz
Was tust du, wenn eine Zahl gleichzeitig mehrere Reste vorgibt? Im chinesischen Buch Sunzi Suanjing steht eine Aufgabe, die man so formulieren kann: Eine Zahl lässt beim Teilen durch 3 den Rest 2, durch 5 den Rest 3 und durch 7 den Rest 2. Welche Zahl ist es? (Sunzis Restaufgabe.)
Typische Fehler
Übungen
Mehr Aufgaben findest du unter Modulo-Rechnung: Aufgaben. Zum Nachrechnen eignen sich der Modulo-Rechner und der ggT-kgV-Rechner.
Geschichte: von Sunzi bis Gauß
Die älteste Aufgabe dieser Art steht im Sunzi Suanjing, einem chinesischen Rechenbuch, das vermutlich im 3. Jahrhundert entstand. Es fragt nach der Zahl mit den Resten 2, 3 und 2. Im Jahr 1247 verallgemeinerte Qin Jiushao das Verfahren in seiner Mathematischen Abhandlung in neun Kapiteln. Der „chinesische Restsatz“ trägt deshalb seinen Namen.
In Europa dachten Pierre de Fermat und Leonhard Euler über Reste nach. Eine eigene Schreibweise und Theorie schuf der junge Carl Friedrich Gauß: In seinen Disquisitiones Arithmeticae von 1801 führte er das Kongruenzzeichen ≡ ein und machte aus der Zahlentheorie eine geordnete Wissenschaft. Heute steckt die Idee in jedem Computer und in jeder verschlüsselten Nachricht.
Häufige Fragen
Was bedeutet „mod“?
Es steht für „modulo“, lateinisch „mit dem Maß“. Man schreibt für den Rest und für „a und b haben denselben Rest“.
Wozu braucht man modulare Arithmetik im Alltag?
Bei Uhrzeiten, Wochentagen und Kalendern, bei Prüfziffern auf Büchern, Produkten und Kontonummern und bei der Verschlüsselung im Internet. Auch Zufallszahlengeneratoren und Hashfunktionen in Computern nutzen sie.
Warum nimmt man bei Verschlüsselung große Primzahlen?
Mit Primzahlen als Modul funktioniert das Teilen und der Satz von Fermat, und große Zahlen in Primfaktoren zu zerlegen ist sehr aufwendig. Das nutzt RSA aus, siehe den Magazinbeitrag.
Quellen und weiterführende Literatur
- Wikipedia: Modulare Arithmetik
- Wikipedia: Chinesischer Restsatz
- Wikipedia: Internationale Bankkontonummer
- Wikipedia: ISBN (englisch)
- Carl Friedrich Gauß: Disquisitiones Arithmeticae, Leipzig 1801.




