Mathematik lernen · Klasse 8–9

Bruchgleichungen

Steht die Unbekannte im Nenner, hilft ein Trick: Du multiplizierst mit dem Hauptnenner und die Brüche verschwinden. Du lernst Definitionsmenge, Hauptnenner und Probe, erkennst Scheinlösungen und löst Textaufgaben zu Geschwindigkeit und Mischung.

Eine Bruchgleichung ist eine Gleichung, in der die Unbekannte im Nenner eines Bruchs steht, zum Beispiel 4x=x+3 oder 3x+2=2x−1. Steht x nur im Zähler, wie bei x3+1=5, ist es dagegen eine gewöhnliche lineare Gleichung mit Brüchen.

Der Trick ist immer derselbe: Du multiplizierst die ganze Gleichung mit dem Hauptnenner, damit alle Brüche verschwinden. Übrig bleibt eine Gleichung, die du schon lösen kannst, oft linear, manchmal quadratisch. Es gibt aber eine Falle: Beim Multiplizieren mit einem Term, der null sein kann, schleichen sich Scheinlösungen ein. Darum gehören die Definitionsmenge an den Anfang und die Probe ans Ende.

Diese Seite vertieft den Abschnitt Gleichungen mit Bruchtermen auf der Seite Rationale Ausdrücke. Wie du Brüche erweiterst und addierst, steht bei den Brüchen. Zum Üben dient das Arbeitsblatt Bruchgleichungen.

Die Definitionsmenge bestimmen

Durch null darf man nicht teilen. Bei einer Bruchgleichung musst du deshalb alle Werte der Unbekannten ausschließen, für die ein Nenner null wird. Die übrigen Zahlen bilden die Definitionsmenge D. Dazu setzt du jeden Nenner gleich null und löst. Ist der Nenner ein Produkt oder eine Differenz von Quadraten, zerlegst du ihn zuerst, wie auf der Seite Quadratische Gleichungen gezeigt. Eine kurze Einführung steht auch bei der Definitionsmenge von Bruchtermen.

Definitionsmengen im Überblick
GleichungNenner ist null beiDefinitionsmenge
5x−2=3x=2D=ℝ∖{2}
1x+2x+3=1x=0 oder x=−3D=ℝ∖{−3;0}
4x2−9=1x=3 oder x=−3D=ℝ∖{−3;3}
3x2+1=1nie, denn x2+1≥1D=ℝ

Das Zeichen ℝ∖{2} liest du so: alle reellen Zahlen außer 2. Schreibe die Definitionsmenge immer auf, bevor du irgendetwas umformst.

Der Hauptnenner

Der Hauptnenner ist ein Term, in den jeder Nenner der Gleichung hineinpasst. Du findest ihn so: Zerlege jeden Nenner in Faktoren und nimm jeden Faktor so oft, wie er in einem einzelnen Nenner höchstens vorkommt.

Beispiele für Hauptnenner
NennerHauptnennerWarum
x und 2x2xx steckt in 2x
x−1 und x+1(x−1)(x+1)keine gemeinsamen Faktoren
x2−4 und x+2x2−4x2−4=(x−2)(x+2) enthält x+2
3x2 und 6x6x2kleinstes gemeinsames Vielfaches von 3 und 6 ist 6, x2 enthält x

Ein größerer gemeinsamer Nenner, etwa das Produkt aller Nenner, funktioniert ebenfalls. Du rechnest dann aber mit größeren Termen und musst mehr kürzen. Die Bruchrechnung dahinter, das Erweitern auf einen gemeinsamen Nenner, findest du bei den Brüchen.

Das Verfahren in fünf Schritten

1 Definitionsmenge bestimmen Nenner zerlegen, Nullstellen ausschließen 2 Hauptnenner finden kleinstes gemeinsames Vielfaches der Nenner 3 Mit dem Hauptnenner multiplizieren jedes Glied, dann kürzen 4 Gleichung ohne Brüche lösen linear oder quadratisch 5 Prüfen Lösung in D? Probe in der Ausgangsgleichung
Das Verfahren in fünf Schritten. Der letzte Schritt fängt die Scheinlösungen ab.

Beim dritten Schritt multiplizierst du jedes Glied der Gleichung mit dem Hauptnenner, auch eine Zahl ohne Bruch. Danach kürzt du in jedem Bruch den Nenner weg.

Scheinlösungen

Mit dem Hauptnenner zu multiplizieren ist nicht immer eine harmlose Umformung. Wenn der Hauptnenner bei einem verbotenen Wert null wird, kann die neue Gleichung Lösungen haben, die in der ursprünglichen Gleichung gar nicht erlaubt sind. Solche Werte heißen Scheinlösungen. Du erkennst sie am Vergleich mit der Definitionsmenge.

Wenn eine quadratische Gleichung entsteht

Steht nach dem Multiplizieren ein x2 in der Gleichung, löst du sie mit der Mitternachtsformel, der pq-Formel oder durch Faktorisieren. Mehr dazu bei den Quadratischen Gleichungen. Beide Lösungen musst du einzeln gegen die Definitionsmenge prüfen.

Eine Bruchgleichung kann man auch zeichnen. Die Gleichung 4x=x+3 fragt, wo die Hyperbel y=4x und die Gerade y=x+3 denselben Wert haben.

−2 2 −4 −2 2 4 6 −4 S₁ S₂ y = 4/x y = x + 3 x y
Die Lösungen von 4/x = x + 3 sind die x-Koordinaten der Schnittpunkte von Hyperbel und Gerade: S1(1|4) und S2(−4|−1). Also ist x = 1 oder x = −4.

Textaufgaben

Bruchgleichungen entstehen oft aus Sachaufgaben. Drei Muster kommen immer wieder vor:

  • Geschwindigkeit: Zeit gleich Strecke durch Geschwindigkeit, also t=sv.
  • Mischung: Anteil gleich Menge des Stoffs durch Gesamtmenge.
  • Gemeinsame Arbeit: Die Leistungen addieren sich, 1a+1b=1t. Ein ausführliches Beispiel steht bei der gemeinsamen Arbeit.

Typische Fehler

Übungen

Geschichte: Gleichungen mit Brüchen

Gleichungen mit Brüchen sind sehr alt. Der Papyrus Rhind aus Ägypten, auf etwa 1550 v. Chr. datiert, enthält Aufgaben nach dem Muster „Ein Haufen und sein Siebtel ergeben zusammen 19“, in heutiger Schreibweise x+x7=19. Mit dem Hauptnenner 7 folgt 8x=133 und x=1338=16,625, das sich als Summe von Stammbrüchen 16+12+18 schreiben lässt. Mehr dazu steht bei der ägyptischen Mathematik.

Eine Unbekannte im Nenner zu behandeln, setzt eine Buchstabenrechnung voraus. Sie wurde um 1591 von François Viète entwickelt und von René Descartes weiter vereinfacht, der 1637 die Unbekannten mit x, y und z bezeichnete. Erst damit lassen sich Bruchterme und Gleichungen mit ihnen allgemein hinschreiben, so wie du es auf dieser Seite getan hast.

Häufige Fragen

Warum muss ich die Definitionsmenge aufschreiben?

Weil Brüche mit dem Nenner null keinen Sinn haben. Außerdem hilft die Definitionsmenge am Schluss: Eine Lösung, die nicht in ihr liegt, ist eine Scheinlösung. Ohne D würdest du solche Werte fälschlich als Lösung angeben.

Wann darf ich über Kreuz multiplizieren?

Wenn auf jeder Seite genau ein Bruch steht, etwa 3x+2=2x−1. Dann ist 3(x−1)=2(x+2). Bei mehreren Brüchen auf einer Seite brauchst du den Hauptnenner.

Was bedeutet eine leere Lösungsmenge?

Dass es keine Zahl gibt, die die Gleichung erfüllt. Das passiert zum Beispiel, wenn alle Kandidaten Scheinlösungen sind. Du schreibst L={}. Das ist ein gültiges Ergebnis und kein Rechenfehler.

Darf ich in einer Bruchgleichung kürzen?

Nur gemeinsame Faktoren in Zähler und Nenner, nie einzelne Summanden. Aus x2−4x−2 wird x+2, weil x2−4=(x−2)(x+2) ist. Aus x+3x lässt sich dagegen nichts kürzen.

Quellen und weiterführende Literatur