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Arbeitsblatt · Klasse 5–10

Knobelaufgaben mit Strategien: Arbeitsblatt mit Lösungen

Schnecke, Waage, Schachbrett und Gläser: Du übst die Strategien des Problemlösens an kleinen Rätseln. Jede Lösung zeigt den Weg und nicht nur das Ergebnis.

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Erklärung: Probleme lösen

Für die Lehrkraft: Steckbrief

  • Klassenstufe: 5 bis 10 (Teil A ab Klasse 5, Teil B ab Klasse 7, Teil C ab Klasse 9)
  • Zeitbedarf: 45 bis 90 Minuten, je nach Aufgabenauswahl
  • Lernziele: Aufgaben mit Strategien lösen (Skizze, Tabelle, systematisch probieren, rückwärts arbeiten, Muster suchen, andere Sichtweise, Invarianten), die vier Phasen nach Pólya anwenden, Ergebnisse prüfen und Lösungswege vergleichen.
  • Bezug zu den Bildungsstandards: Probleme mathematisch lösen, außerdem argumentieren und kommunizieren. Jede Aufgabe trägt ihren Anforderungsbereich (AFB), der Schwerpunkt liegt im Bereich II.
  • Material: dieses Blatt, Stift, kariertes Papier, für Aufgabe 9 ein Schachbrett oder ein Kästchenfeld, für Aufgabe 10 nach Wunsch sieben Becher.
  • Bezug zur Lernseite: Strategien zum Problemlösen und die vier Phasen nach Pólya

Ablaufvorschlag

  1. Einstieg (5 Minuten): Aufgabe 2 an der Tafel. Fast alle rechnen zuerst 60 : 5 = 12. Lassen Sie eine Skizze zeichnen und klären Sie, warum 13 richtig ist.
  2. Teil A (15 Minuten), danach Vergleich der Strategien.
  3. Teil B (20 bis 25 Minuten) in Partnerarbeit. Jede Gruppe schreibt zu mindestens einer Aufgabe den Lösungsweg auf einem Plakat auf.
  4. Teil C als Vertiefung oder Hausaufgabe, Aufgabe 9 und 10 gemeinsam besprechen.

Teil A: Strategien kennenlernen

Aufgabe: Löse die Aufgaben mit einer passenden Strategie und schreibe auf, welche du benutzt hast.

  1. Ich denke mir eine Zahl, multipliziere sie mit 3, addiere 8 und halbiere das Ergebnis. Heraus kommt 13. Welche Zahl habe ich gedacht? Arbeite rückwärts und mache die Probe. AFB I
  2. Wie viele Pfähle braucht ein 60 m langer Zaun, wenn alle 5 m ein Pfahl steht, auch am Anfang und am Ende? Zeichne eine Skizze. AFB I
  3. Wie viele Hühner und wie viele Kaninchen sind es, wenn auf einem Hof zusammen 24 Tiere mit 70 Beinen laufen? Lege eine Tabelle an. AFB II
  4. Wie viele dreistellige Zahlen haben die Quersumme 5? Schreibe sie geordnet auf, damit keine fehlt und keine doppelt vorkommt. AFB II

Teil B: Muster und Zählen

  1. An welchem Tag erreicht eine Schnecke den oberen Rand einer 12 m hohen Mauer, wenn sie tagsüber 4 m hochkriecht und nachts 3 m zurückrutscht? Lege eine Tabelle an und prüfe, ob die schnelle Rechnung 12 : 1 = 12 stimmt. AFB II
  2. Wie viele Spiele werden bei einem K.-o.-Turnier mit 13 Mannschaften gespielt, bis der Sieger feststeht? Rechne einmal Runde für Runde. Wenn die Zahl der Mannschaften in einer Runde ungerade ist, hat eine ein Freilos. AFB II
  3. Wie viele Quadrate aller Größen findest du auf einem Schachbrett mit 8 · 8 Feldern? Beginne mit Brettern aus 1 · 1, 2 · 2, 3 · 3 und 4 · 4 Feldern, finde ein Muster und begründe es. AFB II
  4. Wie viele Diagonalen hat ein Zwölfeck? Zeichne zuerst Vielecke mit wenigen Ecken, trage die Zahlen in eine Tabelle ein und suche eine Formel. AFB II

Teil C: Unmöglich oder möglich?

  1. Kann man die 62 Felder eines Schachbretts, von dem zwei gegenüberliegende Eckfelder entfernt wurden, lückenlos mit 31 Dominosteinen belegen? Jeder Stein deckt zwei benachbarte Felder. Begründe deine Antwort, zum Beispiel mit einer Färbung. AFB III
  2. Sieben Gläser stehen auf dem Tisch, vier richtig herum und drei umgekehrt. Kann man durch wiederholtes Umdrehen von jeweils genau zwei Gläsern alle Gläser richtig herum stellen? Begründe mit einer Größe, die sich bei jedem Zug nur auf bestimmte Weise ändert. Was ändert sich, wenn man in jedem Zug drei Gläser umdreht? AFB III
  3. Wie findest du unter neun gleich aussehenden Münzen eine leichtere Fälschung mit möglichst wenigen Wägungen auf einer Balkenwaage? Gib einen Plan an und begründe, dass zwei Wägungen genügen. Wie viele Wägungen brauchst du bei 27 Münzen? Verallgemeinere. AFB III
  4. Vergleiche zwei Lösungswege zu Aufgabe 6. Weg 1: die Spiele Runde für Runde zusammenzählen. Weg 2: überlegen, wie viele Mannschaften ausscheiden müssen. Welcher Weg braucht weniger Rechnung, und für wie viele Mannschaften gilt er? Wie viele Spiele sind es bei 100 Mannschaften? AFB III
  5. Wie groß kann das Produkt zweier ganzer Zahlen mit der Summe 20 höchstens sein? Lege eine Tabelle an, vermute die Lösung und begründe, dass es kein größeres Produkt gibt. AFB III

Lösungen

  1. Rückwärts: 13 · 2 = 26, dann 26 − 8 = 18, dann 18 : 3 = 6. Probe: 6 · 3 = 18, 18 + 8 = 26, 26 : 2 = 13. Gedacht war die Zahl 6.
  2. Skizze: Bei 5 m Zaun stehen 2 Pfähle, bei 10 m stehen 3 Pfähle. Es gibt immer einen Pfahl mehr als Abschnitte. 60 : 5 = 12 Abschnitte, also 12 + 1 = 13 Pfähle.
  3. Tabelle: 24 Hühner und 0 Kaninchen ergeben 48 Beine, 20 Hühner und 4 Kaninchen 40 + 16 = 56 Beine, 16 Hühner und 8 Kaninchen 32 + 32 = 64 Beine, 13 Hühner und 11 Kaninchen 26 + 44 = 70 Beine. Es sind 13 Hühner und 11 Kaninchen. Auch so: Wären alle 24 Tiere Hühner, gäbe es 48 Beine. Es fehlen 22 Beine, und jedes Kaninchen bringt 2 Beine mehr, also sind es 11 Kaninchen.
  4. Geordnet nach der Hunderterziffer: 104, 113, 122, 131, 140 (5 Zahlen), 203, 212, 221, 230 (4 Zahlen), 302, 311, 320 (3 Zahlen), 401, 410 (2 Zahlen), 500 (1 Zahl). Zusammen 5 + 4 + 3 + 2 + 1 = 15 Zahlen.
  5. Tabelle der Höhe am Ende des Tages: Tag 1: 4 m, nachts 1 m. Tag 2: 5 m, dann 2 m. Tag 3: 6 m, dann 3 m. Tag 4: 7 m, dann 4 m. Tag 5: 8 m, dann 5 m. Tag 6: 9 m, dann 6 m. Tag 7: 10 m, dann 7 m. Tag 8: 11 m, dann 8 m. Tag 9: 8 m + 4 m = 12 m, die Schnecke ist oben. Die schnelle Rechnung 12 Tage ist falsch, weil sie am letzten Tag nicht mehr zurückrutscht. Antwort: am 9. Tag.
  6. Runde für Runde: 13 Mannschaften, 6 Spiele, 1 Freilos, danach 7 Mannschaften. Dann 3 Spiele, 1 Freilos, danach 4 Mannschaften. Dann 2 Spiele, danach 2 Mannschaften. Dann 1 Spiel. Zusammen 6 + 3 + 2 + 1 = 12 Spiele.
  7. Bretter: 1 · 1 hat 1 Quadrat, 2 · 2 hat 4 + 1 = 5, 3 · 3 hat 9 + 4 + 1 = 14, 4 · 4 hat 16 + 9 + 4 + 1 = 30. Muster: Auf einem n · n-Brett gibt es n² Quadrate mit der Seitenlänge 1, (n − 1)² mit der Seitenlänge 2, und so weiter, denn ein Quadrat der Seitenlänge k kann links oben an (n − k + 1)² Stellen beginnen. Für das Schachbrett: 64 + 49 + 36 + 25 + 16 + 9 + 4 + 1 = 204 Quadrate.
  8. Dreieck 0, Viereck 2, Fünfeck 5, Sechseck 9, Siebeneck 14. Jede Ecke hat Diagonalen zu allen Ecken außer sich selbst und ihren beiden Nachbarn, das sind n − 3. Das ergibt n · (n − 3), doch jede Diagonale wird von beiden Enden gezählt, also ist die Anzahl n · (n − 3) : 2. Zwölfeck: 12 · 9 : 2 = 54 Diagonalen. Probe: Sechseck 6 · 3 : 2 = 9.
  9. Nein. Färbe das Brett wie ein Schachbrett. Jeder Dominostein deckt immer ein helles und ein dunkles Feld. 31 Steine decken also 31 helle und 31 dunkle Felder. Die beiden gegenüberliegenden Eckfelder haben dieselbe Farbe, zum Beispiel beide hell. Dann bleiben 30 helle und 32 dunkle Felder, das passt nicht zu 31 Steinen. Die Invariante ist die gleiche Zahl heller und dunkler Felder bei jedem gelegten Stein.
  10. Nein. Zähle die umgekehrten Gläser. Anfangs sind es 3. Bei jedem Zug mit zwei Gläsern ändert sich diese Zahl um −2, 0 oder +2 (beide umgekehrt, eines je Art, beide richtig herum). Die Zahl bleibt also immer ungerade. Das Ziel ist 0, eine gerade Zahl, und deshalb nicht erreichbar. Bei drei Gläsern pro Zug geht es: Man dreht in einem Zug genau die drei umgekehrten Gläser um. Die Parität bleibt dann nicht erhalten, denn die Zahl ändert sich um ±1 oder ±3.
  11. Teile die neun Münzen in drei Gruppen zu je drei. Lege zwei Gruppen auf die Waage. Ist eine leichter, steckt die Fälschung in ihr, sonst in der dritten Gruppe. Lege dann aus der gefundenen Gruppe zwei Münzen auf die Waage: Ist eine leichter, ist sie die Fälschung, sonst ist es die dritte Münze. Das sind zwei Wägungen. Mit einer Wägung geht es nicht, denn sie hat nur drei mögliche Ausgänge, es gibt aber neun Möglichkeiten. Bei 27 Münzen genügen 3 Wägungen (3 Gruppen zu 9), bei 81 sind es 4. Allgemein reichen bei 3k Münzen genau k Wägungen.
  12. Weg 1: 13 Mannschaften ergeben 6 + 3 + 2 + 1 = 12 Spiele (siehe Aufgabe 6). Weg 2: Bei jedem Spiel scheidet genau eine Mannschaft aus, und am Ende bleibt eine übrig. Es müssen 12 Mannschaften ausscheiden, also gibt es 12 Spiele. Weg 2 braucht fast keine Rechnung und gilt für jede Anzahl n von Mannschaften: Es sind immer n − 1 Spiele. Bei 100 Mannschaften sind es 99 Spiele. (Weg 1 liefert hier 50 + 25 + 12 + 6 + 3 + 2 + 1 = 99.)
  13. Tabelle: 1 · 19 = 19, 2 · 18 = 36, 5 · 15 = 75, 8 · 12 = 96, 9 · 11 = 99, 10 · 10 = 100, dann wieder weniger (11 · 9 = 99). Vermutung: Das größte Produkt ist 100. Begründung: Schreibe die Zahlen als 10 + d und 10 − d. Ihre Summe ist 20 und ihr Produkt (10 + d) · (10 − d) = 100 − d². Da d² nie negativ ist, ist das Produkt höchstens 100, und 100 entsteht genau bei d = 0, also bei 10 und 10.

Hinweise für die Lehrkraft

  • Typische Schwierigkeiten: Beim Zaun wird 60 : 5 = 12 geschrieben, ohne zu prüfen, ob Anfang und Ende mitgezählt werden. Bei der Schnecke fehlt die Überlegung, dass sie am letzten Tag oben bleibt. Bei Aufgabe 4 und 7 werden Zahlen oder Quadrate doppelt oder gar nicht gezählt, weil keine Ordnung benutzt wird. Bei Aufgabe 10 wird aus „ich finde keinen Weg“ geschlossen „es geht nicht“. Tipp: Verlangen Sie bei jeder Unmöglichkeit eine Begründung statt weiterer Versuche.
  • Leichter: Teil A, Aufgabe 5 und 6 mit Tabellenvorlage, Aufgabe 8 nur bis zum Sechseck.
  • Schwerer: Aufgaben 9 bis 13. Zusätzlich lässt sich die Waage mit der Frage erweitern, ob die Fälschung leichter oder schwerer ist (dann sind mehr Wägungen nötig). Entfernt man vom Schachbrett dagegen ein helles und ein dunkles Feld, lässt sich der Rest immer mit Dominosteinen belegen, ein bekannter Satz, der Ralph Gomory zugeschrieben wird.
  • Quellenlage: Der Frosch im Brunnen, die Schnecke, die Falschmünze auf der Waage und das Schachbrett mit zwei fehlenden Ecken sind klassische Knobelaufgaben, die in vielen Sammlungen in ähnlicher Form stehen. Die Zahlen in den Aufgaben sind hier eigenständig gewählt und nachgerechnet.
  • Weiterführung: Die Strategien erklärt die Lernseite Probleme lösen. Hühner und Kaninchen als Gleichungssystem: Lineare Gleichungssysteme. Zählen und Anordnen: Kombinatorik. Klassische Rätsel mit Geschichte: Fünf klassische Knobelrätsel. Warum ein Muster noch kein Beweis ist: Ein Beispiel ist kein Beweis.
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