Mathematik lernen · Klasse 8–10

Potenzen und Exponenten

Was bedeutet 2⁵, und warum ist 5⁰ gleich 1? Du lernst die Potenzgesetze, negative und gebrochene Exponenten, Wurzeln als Potenzen und die Zweierpotenzen der Computer, dazu die Geschichte der hochgestellten Zahl.

Potenzen und Exponenten
Bild: Stephan Kulla, CC0 · Wikimedia Commons

Potenzen sind eine Kurzschreibweise für wiederholtes Multiplizieren: Statt 2 · 2 · 2 · 2 · 2 schreibst du 25 und liest „zwei hoch fünf“. Das Ergebnis ist 32. Potenzen begegnen dir bei Flächen (ein Quadratmeter ist „Meter hoch zwei“), bei der Speichergröße deines Handys, beim Zinseszins und in fast allen Naturwissenschaften.

Hier lernst du, wie du mit Potenzen rechnest und was Exponenten wie 0, −3 oder ½ bedeuten. Am Ende erfährst du, wer die hochgestellten Zahlen eingeführt hat und ob die Geschichte von den Weizenkörnern auf dem Schachbrett stimmt. Die Seite gehört zur Arithmetik.

Was ist eine Potenz?

Eine Potenz besteht aus zwei Zahlen. Die untere, große Zahl heißt Basis (oder Grundzahl). Sie sagt dir, welche Zahl du multiplizierst. Die kleine, hochgestellte Zahl heißt Exponent (oder Hochzahl). Sie sagt dir, wie oft die Basis als Faktor auftritt. Das Ergebnis ist der Potenzwert. Im Alltag nennt man oft auch den ganzen Ausdruck „Potenz“.

Zwei Exponenten haben eigene Namen. „Hoch zwei“ heißt Quadrat, nach der Fläche eines Quadrats (mehr bei den Quadratzahlen). „Hoch drei“ heißt Kubikzahl, nach dem Volumen eines Würfels. Das Wort „Potenz“ selbst stammt vom lateinischen potentia (Macht, Kraft).

Rechenregeln für Potenzen: die Potenzgesetze

Mit Potenzen rechnest du nach festen Regeln, den Potenzgesetzen. Alle lassen sich aus der Definition herleiten: Du schreibst die Potenzen als Produkte aus und zählst die Faktoren.

Die Potenzgesetze im Überblick
RegelFormelBeispiel
Gleiche Basis, multiplizierenam·an=am+n23·24=27
Gleiche Basis, dividierenam:an=am−n56:52=54
Potenz einer Potenz(am)n=am·n(32)3=36
Gleicher Exponent, multiplizierenan·bn=(a·b)n23·53=103
Gleicher Exponent, dividierenan:bn=(a:b)n124:44=34

Potenzen multiplizieren

Haben zwei Potenzen die gleiche Basis, addierst du die Exponenten. Der Grund: 23 · 24 = (2 · 2 · 2) · (2 · 2 · 2 · 2). Das sind insgesamt 3 + 4 = 7 Faktoren, also 27.

Haben zwei Potenzen den gleichen Exponenten, multiplizierst du die Basen und behältst den Exponenten. Denn 23 · 53 = (2 · 2 · 2) · (5 · 5 · 5) = (2 · 5) · (2 · 5) · (2 · 5) = 103.

Potenzen dividieren

Bei gleicher Basis subtrahierst du die Exponenten. Das ist Kürzen: Von sechs Fünfern im Zähler fallen zwei gegen die zwei im Nenner weg, vier bleiben. Also ist 56 : 52 = 54 = 625.

Bei gleichem Exponenten dividierst du die Basen: 124 : 44 = (12 : 4)4 = 34 = 81.

Potenz einer Potenz

Wird eine Potenz erneut potenziert, multiplizierst du die Exponenten. Es ist (32)3 = 32 · 32 · 32 = 36 = 729.

Potenzen addieren und subtrahieren

Bei Summen und Differenzen ist alles anders als beim Multiplizieren. Es gibt kein Potenzgesetz, das Potenzen mit verschiedenen Exponenten zusammenfasst. Du darfst nur gleichartige Potenzen verrechnen, also solche mit gleicher Basis und gleichem Exponenten. Das gleicht den gleichartigen Termen: Drei Äpfel plus fünf Äpfel sind acht Äpfel.

Potenzen addieren

Gleichartige Potenzen addierst du, indem du die Vorfaktoren addierst: 3x2 + 5x2 = 8x2. Der Exponent bleibt unverändert. Bei Zahlen gilt 23 + 23 = 2 · 23 = 24 = 16.

Bei ungleichen Exponenten rechnest du die Potenzen aus oder klammerst den gemeinsamen Faktor aus: 23 + 24 = 8 + 16 = 24. Mit Ausklammern: 23 · (1 + 2) = 8 · 3 = 24.

Potenzen subtrahieren

Auch hier verrechnest du nur gleichartige Potenzen: 7a3 − 2a3 = 5a3. Bei verschiedenen Exponenten rechnest du aus oder klammerst aus: 34 − 32 = 81 − 9 = 72, mit Ausklammern 32 · (32 − 1) = 9 · 8 = 72. Eine besondere Differenz ist 52 − 32 = 16. Sie lässt sich als (5 − 3) · (5 + 3) = 2 · 8 schreiben, mehr dazu bei der Differenz zweier Quadrate.

Null und negative Exponenten

Was soll 20 bedeuten? Null Faktoren zu multiplizieren, klingt unsinnig. Die Mathematik löst das mit einer Festlegung: Die Potenzgesetze sollen auch für Exponenten wie 0 und −3 gelten. Daraus ergibt sich zwangsläufig, was diese Potenzen bedeuten.

Null als Exponent

Jede Zahl durch sich selbst geteilt ergibt 1. Es ist also 53 : 53 = 125 : 125 = 1. Nach dem Divisionsgesetz gilt aber auch 53 : 53 = 53−3 = 50. Beides zusammen ergibt 50 = 1.

Negative Exponenten

Dividierst du eine kleine Potenz durch eine große, wird der Exponent negativ. Es ist 23 : 25 = 8 : 32 = 14. Nach dem Gesetz gilt aber auch 23−5 = 2−2. Also muss 2−2 der Bruch 14 = 1 : 22 sein.

Das Muster siehst du bei den Zweierpotenzen: Pro Zeile nach unten sinkt der Exponent um 1, und der Wert halbiert sich. Das setzt sich über die Null hinaus fort.

Zweierpotenzen mit positiven, null und negativen Exponenten
PotenzBruchWert
241616
2388
2244
2122
2011
2−1120,5
2−2140,25
2−3180,125

Wurzeln als Potenzen

Die Wurzel ist die Umkehrung des Potenzierens. Es ist √9 = 3, weil 32 = 9 gilt (mehr dazu bei den Quadratwurzeln). Entsprechend ist die dritte Wurzel von 8 gleich 2, weil 23 = 8 ist. Allgemein ist die n-te Wurzel an die nicht negative Zahl, die n-mal mit sich selbst multipliziert a ergibt. Dabei ist a ≥ 0.

Gebrochene (rationale) Exponenten

Wie passt ein Bruch in den Exponenten? Auch hier sollen die Potenzgesetze gelten. Angenommen, a1/2 ist eine Zahl. Dann gilt nach dem Gesetz für die Potenz einer Potenz: (a1/2)2 = a1/2 · 2 = a1 = a. Eine Zahl, die quadriert a ergibt, ist aber genau √a. Also gilt a1/2 = √a. Das Argument gilt für jede Wurzel.

Auch das Rechnen mit Wurzeln wird einfacher. Aus (a · b)1/2 = a1/2 · b1/2 folgt zum Beispiel √(a · b) = √a · √b. Dieses Gesetz brauchst du, wenn du Radikale multiplizierst.

Zweierpotenzen und Computer

Ein Bit, die kleinste Einheit im Computer, hat nur zwei Zustände: 0 oder 1. Mit n Bits lassen sich deshalb 2n verschiedene Muster bilden. Darum begegnen dir Zweierpotenzen bei Farbtiefen, Speichergrößen und Netzwerkadressen.

Wichtige Zweierpotenzen und wo du ihnen begegnest
Exponent nWert 2nBeispiel
01ein einziger Zustand
12ein Bit: aus oder an
24zwei Bits, vier Muster
38ein Byte besteht aus 8 Bit
416eine Hexadezimalziffer
664Felder auf dem Schachbrett
7128Zeichen im ASCII-Code
8256Werte, die ein Byte annehmen kann (0 bis 255)
101.024fast tausend, praktisch für Schätzungen
1665.536Werte mit 16 Bit
2416.777.216Farben bei 24 Bit Farbtiefe
324.294.967.296mögliche Adressen im alten Internetprotokoll IPv4
6418.446.744.073.709.551.616über 18 Trillionen

Eine Faustregel erleichtert das Schätzen: 210 = 1.024 liegt nahe bei 103 = 1.000 (nur 2,4 % Unterschied). Deshalb ist 220 ungefähr eine Million. Die letzte Zeile der Tabelle führt dich zur Schachbrett-Legende weiter unten.

Typische Fehler bei Potenzen

Geschichte: Wie die hochgestellte Zahl entstand

Vom Quadrat zur Hochzahl

Schon in der babylonischen Mathematik gab es Tafeln mit Quadraten und Kuben. Die Griechen dachten in Figuren: „hoch zwei“ war ein Quadrat, „hoch drei“ ein Würfel. Höhere Potenzen ließen sich nicht mehr zeichnen. Diophant von Alexandria (3. Jahrhundert n. Chr.) half sich mit Wortzeichen: dynamis für x2, kybos für x3 und dynamodynamis („Quadrat-Quadrat“) für x4. Selbst François Viète schrieb um 1600 noch Wörter wie A quadratus und A cubus.

Oresme und die gebrochenen Exponenten

Erstaunlich früh dachte Nikolaus von Oresme weiter. Um 1360 rechnete er in seiner Schrift De proportionibus proportionum („Über die Verhältnisse der Verhältnisse“) mit Verhältnissen, wie sie in der Musik und der Mechanik vorkommen. Ein Verhältnis zu verdoppeln heißt, es zu quadrieren. Oresme fragte, was es bedeutet, ein Verhältnis zu halbieren oder anderthalbmal zu nehmen. Das Anderthalbfache des Verhältnisses 4 : 1 ist bei ihm 8 : 1, in unserer Schreibweise 43/2 = 8. Seine Regeln entsprachen unseren Potenzgesetzen, seine Schreibweise war aber umständlich.

Descartes und die Exponentenschreibweise

Im 15. und 16. Jahrhundert gab es viele Schreibweisen nebeneinander. Der Franzose Nicolas Chuquet notierte 1484 kleine Zahlen als Exponenten, sogar die Null und negative Zahlen. Durchgesetzt hat sich die Form von René Descartes. In seinem Werk La Géométrie (1637) schrieb er Potenzen mit hochgestellten Zahlen, etwa a3 oder a4. Nur das Quadrat schrieb er meist noch als aa. Die lateinische Ausgabe von 1649 verbreitete diese Schreibweise in ganz Europa.

Negative und gebrochene Exponenten setzten sich erst später durch. John Wallis erklärte Mitte des 17. Jahrhunderts, was solche Hochzahlen bedeuten sollten. Isaac Newton schrieb in Briefen von 1676 Ausdrücke wie a1/2 statt der Wurzel. Damit war die Schreibweise von heute vollständig. Die Umkehrung des Potenzierens findest du bei den Logarithmen.

Die Schachbrett-Legende

Die bekannteste Geschichte über Potenzen handelt vom Schachspiel. Der Erfinder darf sich vom König eine Belohnung wünschen. Er bittet um Weizenkörner: ein Korn auf das erste Feld des Schachbretts, zwei auf das zweite, vier auf das dritte und auf jedes weitere Feld doppelt so viele wie auf das vorige. Der König lacht über den bescheidenen Wunsch.

Auf dem n-ten Feld liegen 2n−1 Körner, auf dem 64. Feld also 263 = 9.223.372.036.854.775.808. Insgesamt sind es 1 + 2 + 4 + … + 263 = 264 − 1 = 18.446.744.073.709.551.615 Körner. Bei etwa 50 g pro 1.000 Körner wiegt der Haufen rund 900 Milliarden Tonnen. Die weltweite Weizenernte beträgt etwa 800 Millionen Tonnen pro Jahr, es wären also über tausend Jahresernten.

Quellen und weiterführende Literatur