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Matheangst: Was sie ist, woran man sie erkennt und was hilft

Bauchschmerzen vor der Mathearbeit, ein Blackout bei einfachen Aufgaben: Matheangst ist verbreitet und veränderbar. Hier steht, was Studien zeigen, was dir hilft und wie Eltern ihr Kind unterstützen können.

Matheangst, in der Fachsprache Mathematikangst, ist ein Gefühl von Anspannung und Furcht bei Aufgaben mit Zahlen, das das Rechnen selbst stört. Sie ist keine Rechenschwäche und keine Frage der Begabung, kann aber mit Wissenslücken zusammentreffen. Helfen können kleine Erfolge, weniger Zeitdruck und Schreiben über die Sorgen. Es folgen Forschung und Tipps für Schüler (du) und Eltern (Sie).

Was ist Matheangst? Definition und Name

Die Fachsprache nennt sie Mathematikangst (englisch math anxiety). Umgangssprachlich sagt man auch Mathephobie oder Mathe-Blockade. Gemeint ist eine Anspannung und Angst, die den Umgang mit Zahlen und das Lösen mathematischer Aufgaben in Schule und Alltag stört. So wird der Begriff seit einer Veröffentlichung von Richardson und Suinn (1972) häufig beschrieben, in der es um eine Skala zur Messung ging (zitiert nach Orbach und Kolleginnen). Als Forschungsthema ist die Mathematikangst deutlich älter: Schon seit der Mitte des 20. Jahrhunderts wird sie mit schwächeren Leistungen in Verbindung gebracht.

Eine eigene Diagnose ist Matheangst nicht. Nach Lars Orbach und Kolleginnen (2019) ist sie weder im ICD-10 noch im DSM-5 als psychische Störung geführt, ähnelt im Erscheinungsbild aber einer spezifischen Phobie. Sie unterscheiden außerdem zwei Formen: die Zustandsangst, die kurz und situationsgebunden auftritt, etwa vor einer Mathearbeit, und das Persönlichkeitsmerkmal, bei dem jemand viele mathematische Situationen als bedrohlich einschätzt.

Warum stört die Angst das Rechnen? Beim Rechnen hältst du Zwischenergebnisse im Kopf, im sogenannten Arbeitsgedächtnis. Sorgen und Anspannung belegen einen Teil davon. Mark Ashcraft und Elizabeth Kirk (2001) fanden bei Erwachsenen, dass Mathematikangst besonders dann schadet, wenn Aufgaben das Arbeitsgedächtnis stark fordern, etwa mehrschrittige Rechnungen mit Übertrag. Bei Kindern in Klasse 1 und 2 zeigten Gerardo Ramirez und sein Team (2013), dass der Zusammenhang zwischen Angst und schwächerer Leistung gerade bei Kindern mit gutem Arbeitsgedächtnis hervortritt. Wer viel Gedächtniskapazität hat, verliert durch Sorgen mehr.

Zur Angst gehört das Ausweichen. Ashcraft (2002) beschreibt, dass mathematikängstliche Menschen Mathe meiden und weniger Mathekurse wählen. Dadurch bleibt weniger Übung, es entstehen Lücken, und die Lücken können die Angst verstärken. Diesen Kreislauf zeigt die Grafik.

Misserfolg Angst Vermeiden Lücken
Der Kreislauf der Matheangst: Wer Misserfolg erlebt, bekommt Angst, weicht aus und baut Lücken auf, die wieder zu Misserfolg führen. Ansetzen kannst du an jeder Stelle.

Wie verbreitet ist Matheangst? Zahlen aus Studien

Die Angaben schwanken stark. Das liegt an der Definition, wie Orbach und Kolleginnen schreiben: Je nach Frage und Messung liegen die berichteten Anteile zwischen wenigen Prozent und über 60 Prozent. Fragt man nach allgemeinen Sorgen, wie die PISA-Studie der OECD, ist die Mehrheit betroffen. Legt man eine enge, fast klinische Definition an, sind es weit weniger.

Was Studien über Matheangst messen
StudieWer wurde befragtErgebnis
OECD, PISA 201215-Jährige in den OECD-Ländern59 % machen sich oft Sorgen, dass Mathe schwer wird. 61 % sorgen sich um schlechte Noten. 33 % werden bei Hausaufgaben sehr angespannt, 31 % sehr nervös bei Aufgaben, 30 % fühlen sich hilflos.
OECD, PISA 2012 (Auswertung nach Leistung)dieselben JugendlichenHöhere Angst geht im Schnitt mit 34 Punkten weniger Leistung einher, das entspricht fast einem Schuljahr. Eine Ursache belegt das nicht.
Orbach, Herzog und Fritz (2019)1.179 Kinder der Klassen 4 und 5 in DeutschlandEtwa 28 % berichteten Zustandsangst in unterschiedlicher Stärke, rund 7 % zusätzlich ein ängstliches Persönlichkeitsmerkmal. Je mehr Angst, desto schwächer die Mathematikleistung, bei Kindern mit niedrigem, mittlerem und hohem IQ.

Zwei Hinweise zum Einordnen. Erstens misst PISA Sorgen und Anspannung, nicht eine Angststörung. Zweitens beschreibt die OECD einen Zusammenhang und ausdrücklich keine Ursache. Bei PISA 2012 gehörte Deutschland zu den Ländern mit überdurchschnittlicher Leistung und eher niedrigen Angstwerten. Zugleich sind die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen in Deutschland besonders groß: Wie in fast allen Ländern berichten Mädchen mehr Mathematikangst als Jungen.

Ursachen: Woher kommt Matheangst?

Es gibt nicht die eine Ursache. Die Forschung nennt mehrere Faktoren, die sich gegenseitig verstärken:

  • Wechselwirkung mit der Leistung: Ob Angst schwächere Leistung verursacht oder umgekehrt, wird seit Jahren diskutiert. Eine Übersicht von Emma Carey und Kollegen (2016) kommt zu dem Schluss, dass die Befunde am besten zu einer Wechselwirkung passen: Schwache Leistung erzeugt Angst, und Angst senkt die Leistung.
  • Zeitdruck und Vergleich: Nach der OECD sind Jugendliche ängstlicher, wenn die meisten Mitschüler besser abschneiden als sie. Das gilt auch in Deutschland. Beilock und Willingham (2014) weisen darauf hin, dass zeitlich begrenzte Tests die Angst steigern.
  • Rückmeldungen: In 39 Ländern berichteten Jugendliche weniger Angst, wenn ihre Lehrkraft häufig erklärte, wie gut sie in Mathe sind, wo Stärken und Schwächen liegen und was sie tun sollen, um besser zu werden (OECD, PISA in Focus 48).
  • Vorbilder: Die Angst von Lehrkräften und Eltern kann sich übertragen (siehe unten).
  • Rollenbilder: Das Vorurteil, Jungen seien gut in Mathe und Mädchen gut im Lesen, belastet vor allem Mädchen (siehe Frauen in der Mathematik).
  • Wissenslücken: Mathematik baut aufeinander auf. Eine Lücke bei Brüchen macht Prozent schwer, und schwere Aufgaben nähren die Sorge.
  • Anlage und Umwelt: Nach Orbach und Kolleginnen spielen Umweltfaktoren die größere Rolle, genetische Einflüsse sind eher mäßig.

Anzeichen: Woran erkennt man Matheangst?

Matheangst zeigt sich auf mehreren Ebenen. Orbach und Kolleginnen nennen Sorgen und gedrückte Stimmung, körperliche Reaktionen wie Herzklopfen, Atemnot, Schwindel und Bauchschmerzen sowie ein deutliches Vermeidungsverhalten. Auch Schlafprobleme vor Klassenarbeiten kommen vor.

Anzeichen von Matheangst nach Ebenen
EbeneMögliche AnzeichenBeispiel
GefühleNervosität, Anspannung, Hilflosigkeit„Bei Zahlen wird mir sofort heiß.“
KörperHerzklopfen, flache Atmung, Schwindel, Bauchschmerzen, Schlafprobleme vor ArbeitenBauchweh am Abend vor der Mathestunde
GedankenSorge vor schlechten Noten, abwertende Sätze, Blackout„Ich kann das sowieso nicht.“
VerhaltenAusweichen, Aufschieben, schnelles Aufgeben, Raten, Fehlen in MatheHausaufgaben in Mathe werden zuletzt oder gar nicht gemacht

Ein Hinweis auf Anspannung kann sein, dass ein Kind in entspannter Lage mehr kann als in der Arbeit. Löst ein Kind eine Aufgabe zu Hause richtig und scheitert in der Schule an derselben, spricht das eher für Anspannung als für fehlendes Wissen. Das ist allerdings nur ein Hinweis, kein Beweis.

Matheangst oder Rechenschwäche? Der Unterschied

Die beiden Begriffe werden oft verwechselt. Matheangst ist ein Gefühl mit Vermeidung. Rechenschwäche, auch Rechenstörung oder Dyskalkulie genannt, ist eine Lernstörung, bei der das Verständnis für Zahlen und Mengen von Anfang an unsicher bleibt. Sie ist in den Klassifikationen als Diagnose geführt: im ICD-10 als Rechenstörung (F81.2) und im ICD-11 als Lernentwicklungsstörung mit Beeinträchtigung in Mathematik (6A03.2). In Deutschland beschreibt die S3-Leitlinie „Diagnostik und Behandlung der Rechenstörung“ (AWMF-Register 028-046, veröffentlicht im März 2018) das Vorgehen.

Matheangst und Rechenschwäche im Vergleich
MerkmalMatheangstRechenschwäche
KernGefühl von Anspannung und Furcht, VermeidungAnhaltende Schwierigkeiten beim Aufbau von Zahl- und Mengenverständnis
Diagnosekeine eigene Diagnose im ICD-10 oder DSM-5ja, als Rechenstörung beziehungsweise Lernentwicklungsstörung
Wann treten Fehler auf?vor allem unter Druck, bei Arbeiten und neuen Aufgabenauch ohne Druck, auch bei einfachen Aufgaben
Was hilft?Entlastung, Erfolgserlebnisse, Umgang mit der Angst, Lücken schließengezielte Förderung nach fachlicher Diagnostik
ZusammenhangBeides kann zusammen auftretenDie Projektseite zur Leitlinie nennt Symptome von Angst und Depression als mögliche Begleitprobleme

Kämpft ein Kind auch ohne Druck seit Monaten mit einfachen Aufgaben zu Zahlen und Mengen, reicht Üben allein oft nicht. Dann sind ein Gespräch mit der Lehrkraft und eine fachliche Beratung sinnvoll, etwa bei einer schulpsychologischen Beratungsstelle. Weitere Hinweise stehen auf der Seite Für Eltern. Diese Seite kann keine Diagnose ersetzen.

Was tun gegen Matheangst? Tipps für Schülerinnen und Schüler

Dieser Teil richtet sich an dich. Die Schritte sind nach Wirkung und Belegen geordnet, beginnend mit denen, die du sofort anwenden kannst.

  1. Benenne, was los ist. „Ich bin gerade angespannt“ ist ein ehrlicher Satz. Du bist damit nicht allein: Bei PISA 2012 machten sich 59 Prozent der 15-Jährigen im OECD-Durchschnitt oft Sorgen vor Mathe.
  2. Schreibe zehn Minuten über deine Sorgen, bevor eine Arbeit beginnt. Gerardo Ramirez und Sian Beilock (2011) ließen Jugendliche vor einer Biologie-Abschlussprüfung zehn Minuten über ihre Gefühle schreiben. Die besonders ängstlichen Jugendlichen schnitten besser ab als die, die über ein anderes Thema schrieben. Park, Ramirez und Beilock (2014) fanden einen Nutzen bei Studierenden mit hoher Mathematikangst. Die Anleitung steht unten. Die Befunde stammen aus einzelnen Studien, probiere es aus und beobachte selbst, ob es dir hilft.
  3. Starte mit einer sicheren Aufgabe. Ein früher Erfolg beruhigt. Lies zu Beginn der Arbeit alle Aufgaben durch und beginne mit der leichtesten.
  4. Übe zuerst ohne Zeitdruck. Beilock und Willingham (2014) halten fest, dass Zeitbegrenzung die Angst steigert. Rechne neue Aufgabentypen in Ruhe, bis sie sitzen, und nimm erst dann die Zeit dazu.
  5. Schließe Lücken von unten. Mache einen Eingangstest, zum Beispiel für Klasse 5, Klasse 7 oder Klasse 9, und beginne beim ersten Thema, das nicht klappt. Der Lernpfad ordnet die Themen in Lernreihenfolge.
  6. Führe eine Fehlerliste. Schreibe auf, was schiefging und warum. Die Methode zeigt die Fehleranalyse. Aus „Ich bin schlecht“ wird „Ich mache Vorzeichenfehler, die kann ich üben“.
  7. Sprich darüber. Sag deiner Lehrkraft, dass dich Mathearbeiten sehr anspannen. Sie kann Zeit und Art der Rückmeldung anpassen. Auch Beratungslehrkräfte und Schulpsychologinnen helfen.
  8. Beruhige den Körper. Langsames Ausatmen, ein Schluck Wasser und kurze Pausen helfen vielen, wenn sie unter Anspannung stehen. Dazu liegen hier keine Studien vor, es ist ein praktischer Tipp. Mehr dazu unter Prüfungsangst.

Diese fünf Aufgaben sind zum Aufwärmen gedacht. Wer vor einer Hausaufgabe oder Arbeit zuerst etwas Sicheres löst, kommt leichter in die Rechenstimmung. Danach beginnst du mit der ersten richtigen Aufgabe. Wenn eine Aufgabe nicht klappt, ist das ein Hinweis auf eine Lücke und kein Urteil über dich.

Matheangst bei Kindern und in der Grundschule: Tipps für Eltern

Dieser Teil richtet sich an Eltern. Matheangst kann früh beginnen. Die Studien von Ramirez und Maloney untersuchten Kinder in Klasse 1 und 2, und Orbach und Kolleginnen fanden bei rund 28 Prozent der Kinder in Klasse 4 und 5 Zustandsangst in unterschiedlicher Stärke. Bei Matheangst in der Grundschule zeigt sich die Angst nicht immer in Worten. Mögliche Zeichen sind Bauchschmerzen vor der Mathestunde, Aufschieben der Hausaufgaben oder schnelles Aufgeben. Was Sie tun können:

  • Achten Sie auf Ihre Sätze. „Mathe lag mir auch nie“ klingt tröstlich, kann aber das Bild festigen, man sei „nicht der Mathetyp“. Beilock und Willingham raten, bei Schwierigkeiten Zuversicht zu vermitteln und konkrete Lernschritte anzubieten statt zu trösten, Mathe sei eben nicht für jeden.
  • Üben Sie kurz und ohne Stoppuhr. Zehn bis fünfzehn Minuten reichen, siehe So helfen Sie am besten. Zeitdruck steigert die Angst, der Vergleich mit anderen ebenfalls.
  • Sprechen Sie im Alltag über Zahlen. Beim Einkaufen, Kochen und Fahren kann Mathe ohne Bewertung vorkommen. In einer Studie mit 587 Erstklässlern (Berkowitz und Kollegen 2015) lernten Kinder mehr, wenn sie mit ihren Eltern regelmäßig kleine Rechengeschichten aus einer App besprachen. Der Gewinn war besonders groß, wenn die Eltern selbst ängstlich waren.
  • Lassen Sie sich erklären. Wenn Ihr Kind Ihnen eine Aufgabe erklärt, festigt es sein Verständnis, und Sie sehen, wo es hakt. Fragen Sie „Wie hast du das gerechnet?“ und nicht „Warum hast du das falsch gemacht?“.
  • Geben Sie konkrete Rückmeldungen. „Du hast die Klammer richtig aufgelöst“ hilft mehr als „Gut gemacht“. Die OECD fand weniger Angst bei Jugendlichen, die konkrete Rückmeldungen zu Stärken, Schwächen und nächsten Schritten erhielten.
  • Prüfen Sie, ob Lücken zugrunde liegen. Mit einem Eingangstest finden Sie das erste Thema, das nicht sitzt. Die Themen jeder Klasse zeigen Klasse 3, Klasse 4 und die weiteren Klassenseiten.
  • Gehen Sie sensibel mit eigener Angst um. Wenn Sie selbst Mathe ungern mögen, müssen Sie nichts vorspielen. Ein Ausweg: Lesen Sie den Beispielkasten der Lernseite gemeinsam mit Ihrem Kind und rechnen Sie ihn zusammen nach. Die Studie von Maloney und Kolleginnen fand den ungünstigen Zusammenhang nur bei häufiger Hausaufgabenhilfe. Vermutlich kommt es darauf an, wie Sie helfen, nicht ob.
  • Sprechen Sie mit der Lehrkraft. Schildern Sie, was Sie beobachten. Fragen Sie, wie die Klasse Rückmeldungen bekommt und ob bei Arbeiten Zeitdruck herrscht. Gemeinsam lässt sich oft etwas ändern.

Wann sollten Sie Hilfe holen?

Suchen Sie Unterstützung, wenn die Angst über Wochen anhält, wenn Ihr Kind kaum noch schläft, regelmäßig körperliche Beschwerden vor Mathe hat, die Schule meidet oder in Panik gerät. Erste Ansprechpartner sind die Lehrkraft, die Beratungslehrkraft, schulpsychologische Beratungsstellen und die Kinder- und Jugendarztpraxis. Wenn Ihnen auffällt, dass Ihr Kind auch ohne Druck mit Zahlen und Mengen kämpft, finden Sie Hinweise zur Rechenschwäche auf der Seite Für Eltern. Lehrkräfte finden Anregungen für entspannte Rückmeldungen und Bewertungssituationen auf der Seite Für Lehrkräfte.

Häufige Fragen

Wie nennt man die Angst vor Mathe?

In der Fachsprache heißt sie Mathematikangst (englisch math anxiety). Umgangssprachlich sagt man Matheangst, Mathephobie oder Mathe-Blockade. Sie ist keine eigene Diagnose, sondern ein Gefühl von Anspannung und Furcht bei Zahlenaufgaben.

Was tun gegen Matheangst?

Kleine Erfolge sammeln, ohne Zeitdruck üben, Wissenslücken von unten schließen, vor Prüfungen zehn Minuten über die Sorgen schreiben und mit Lehrkräften oder Eltern darüber sprechen. Bei Kindern helfen konkrete Rückmeldungen und eine gelassene Haltung der Erwachsenen.

Wie löse ich eine Mathe-Blockade?

Beginne mit einer Aufgabe, die du sicher kannst, und steigere dich in kleinen Schritten. Schreibe auf, wo es hakt: Fehlt dir ein Thema, ein Rechenschritt oder der Mut? Schließe zuerst die Lücke und übe dann die nächste Stufe. Bei Prüfungen helfen Pausen und das Lösen der leichtesten Aufgabe zuerst.

Woher kommt Matheangst?

Meist aus mehreren Gründen: schlechte Erfahrungen, Zeitdruck und Vergleiche, Lücken im Stoff, Vorbilder, die selbst Angst haben, und Rollenbilder wie „Mädchen können kein Mathe“. Die Forschung geht von einer Wechselwirkung aus: Schwache Leistung erzeugt Angst, und Angst senkt die Leistung.

Ist Matheangst dasselbe wie Rechenschwäche oder Dyskalkulie?

Nein. Matheangst ist ein Gefühl, Rechenschwäche eine Lernstörung beim Aufbau von Zahl- und Mengenverständnis. Beides kann gemeinsam auftreten. Bei anhaltenden Schwierigkeiten mit Zahlen auch ohne Druck lohnt eine fachliche Beratung.

Was können Eltern bei Matheangst in der Grundschule tun?

Kurz üben, ohne Zeitdruck, Alltagsmathe zulassen, das Kind erklären lassen, konkrete Rückmeldungen geben und mit der Lehrkraft sprechen. Eigene Sätze wie „Mathe konnte ich auch nie“ vermeiden. Bei Bauchschmerzen, Schulvermeidung oder Panik fachliche Hilfe suchen.

Wie viele Menschen haben Matheangst?

Das hängt von der Definition ab. Bei PISA 2012 gaben im OECD-Durchschnitt 59 Prozent der 15-Jährigen an, sich oft Sorgen zu machen, dass Mathe schwer wird, und 31 Prozent wurden bei Aufgaben sehr nervös. In einer deutschen Studie mit Kindern der Klassen 4 und 5 berichteten etwa 28 Prozent Zustandsangst.

Haben auch Erwachsene Matheangst?

Ja. Der Zusammenhang zwischen Mathematikangst und Leistung ist vor allem für das junge und mittlere Erwachsenenalter belegt, etwa in der Auswertung von 151 Studien durch Ray Hembree (1990). Er untersuchte auch Behandlungen: Verschiedene Behandlungen waren wirksam, und mit weniger Angst stieg die Leistung.

Quellen und weiterführende Literatur

  • OECD: Does math make you anxious?, PISA in Focus 48, Februar 2015 (PDF); dazu Marilyn Achiron: Got a math problem?, OECD Education Today, 12. Februar 2015 (Beitrag)
  • Lars Orbach, Moritz Herzog, Annemarie Fritz: State- und Trait-Mathematikängste. Hemmende Prädiktoren mathematischer Leistungsfähigkeit?, Empirische Sonderpädagogik 11 (1), 2019, S. 3–30 (doi:10.25656/01:17768)
  • Mark H. Ashcraft: Math Anxiety: Personal, Educational, and Cognitive Consequences, Current Directions in Psychological Science 11 (5), 2002, S. 181–185 (doi:10.1111/1467-8721.00196)
  • Mark H. Ashcraft, Elizabeth P. Kirk: The relationships among working memory, math anxiety, and performance, Journal of Experimental Psychology: General 130 (2), 2001, S. 224–237 (doi:10.1037/0096-3445.130.2.224)
  • Gerardo Ramirez, Elizabeth A. Gunderson, Susan C. Levine, Sian L. Beilock: Math Anxiety, Working Memory, and Math Achievement in Early Elementary School, Journal of Cognition and Development 14 (2), 2013, S. 187–202
  • Emma Carey, Francesca Hill, Amy Devine, Dénes Szücs: The Chicken or the Egg? The Direction of the Relationship Between Mathematics Anxiety and Mathematics Performance, Frontiers in Psychology 6, 2016, Artikel 1987 (PMC4703847)
  • Sian L. Beilock, Elizabeth A. Gunderson, Gerardo Ramirez, Susan C. Levine: Female teachers’ math anxiety affects girls’ math achievement, Proceedings of the National Academy of Sciences 107 (5), 2010, S. 1860–1863 (doi:10.1073/pnas.0910967107)
  • Erin A. Maloney, Gerardo Ramirez, Elizabeth A. Gunderson, Susan C. Levine, Sian L. Beilock: Intergenerational effects of parents’ math anxiety on children’s math achievement and anxiety, Psychological Science 26 (9), 2015, S. 1480–1488 (doi:10.1177/0956797615592630)
  • Talia Berkowitz u. a.: Math at home adds up to achievement in school, Science 350 (6257), 2015, S. 196–198 (doi:10.1126/science.aac7427)
  • Gerardo Ramirez, Sian L. Beilock: Writing about testing worries boosts exam performance in the classroom, Science 331 (6014), 2011, S. 211–213 (doi:10.1126/science.1199427); Daeun Park, Gerardo Ramirez, Sian L. Beilock: The role of expressive writing in math anxiety, Journal of Experimental Psychology: Applied 20 (2), 2014, S. 103–111 (doi:10.1037/xap0000013)
  • Sian L. Beilock, Daniel T. Willingham: Math Anxiety: Can Teachers Help Students Reduce It?, American Educator, Sommer 2014 (aft.org)
  • Ray Hembree: The Nature, Effects, and Relief of Mathematics Anxiety, Journal for Research in Mathematics Education 21 (1), 1990, S. 33–46; Ann Dowker, Amar Sarkar, Chung Yen Looi: Mathematics Anxiety: What Have We Learned in 60 Years?, Frontiers in Psychology 7, 2016 (doi:10.3389/fpsyg.2016.00508)
  • S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung der Rechenstörung, AWMF-Register Nr. 028-046, 2018, Projektseite des LMU Klinikums (lmu-klinikum.de)

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