Mathematik lernen · Studium
Determinanten
Die Determinante verrät, ob eine Matrix invertierbar ist und um welchen Faktor sie Volumen verändert. Du lernst die Axiome, berechnest Determinanten beliebiger Größe mit dem Gauß-Verfahren und der Laplace-Entwicklung und wendest den Produktsatz und die Cramersche Regel an.
Für die -Matrix ist die Determinante , für gibt es die Regel von Sarrus. Beide kennst du von der Seite Matrizen. Was aber ist die Determinante einer - oder -Matrix? Hier lernst du die allgemeine Theorie: die Determinante als Zahl mit drei einfachen Eigenschaften, die dann alles Weitere festlegen, drei Berechnungsarten (Gauß, Laplace, Leibniz), die wichtigsten Rechenregeln und Anwendungen auf Gleichungssysteme und Volumen.
Wichtig ist die Determinante, weil sie das Kernproblem der linearen Algebra beantwortet: Eine quadratische Matrix ist genau dann invertierbar, wenn ihre Determinante nicht 0 ist. Außerdem misst , wie die lineare Abbildung Flächen und Volumina streckt. Du brauchst Vorwissen zu Vektorräumen und dem Gauß-Verfahren. Zum Üben gibt es einen Aufgabengenerator.
Die Determinante und ihre drei Eigenschaften
Dass es genau eine solche Abbildung gibt, wird mit der Leibniz-Formel (unten) gezeigt. Für ist es . Aus den drei Eigenschaften folgen die Rechenregeln für Zeilenumformungen, ohne dass man eine Formel braucht.
Der letzte Punkt folgt, weil man bei einer oberen Dreiecksmatrix mit Zeilenumformungen vom zweiten Typ alle Einträge oberhalb der Diagonale löschen kann. Dann bleibt eine Diagonalmatrix, aus der man die Faktoren herauszieht und erhält.
Berechnen mit dem Gauß-Verfahren
Das ist die effizienteste Methode: Bringe die Matrix mit Zeilenumformungen auf Dreiecksgestalt und buche dabei mit, wie sich die Determinante ändert (nur Zeilentausch und Skalierung ändern sie). Das Produkt der Diagonalelemente liefert dann das Ergebnis. Es braucht etwa Rechenschritte, für sind das rund 330 000, die Leibniz-Formel dagegen bräuchte Summanden.
Die Laplace-Entwicklung
Die Entwicklung führt eine -Determinante auf kleinere zurück. Für den Eintrag sei die Matrix, die entsteht, wenn man Zeile und Spalte streicht (eine -Matrix).
Die Vorzeichen bilden ein Schachbrettmuster, das links oben mit beginnt. Man entwickelt am besten nach einer Zeile oder Spalte mit vielen Nullen, weil dann viele Summanden wegfallen.
Die Leibniz-Formel
Die explizite Formel für alle benutzt Permutationen. Eine Permutation von hat ein Vorzeichen , je nachdem, ob sie eine gerade oder ungerade Zahl von Vertauschungen braucht.
Die Summe hat Summanden: je ein Produkt, das aus jeder Zeile und jeder Spalte genau einen Eintrag nimmt. Für sind das . Für sind es sechs Terme, und das ist die Regel von Sarrus. Beispiel für :
Ab gibt es keine Merkregel nach dem Muster von Sarrus. Die Leibniz-Formel ist für Beweise ideal, zum Rechnen aber zu teuer: Für hat sie Summanden.
Produktsatz und Invertierbarkeit
Beweisidee für die Invertierbarkeit. Man bringt mit Zeilenumformungen auf Stufenform. Jede Umformung multipliziert die Determinante mit einer Zahl ungleich 0 (Tausch: , Skalieren: , Addieren: ). Also ist genau dann 0, wenn die Stufenform eine Nullzeile hat, das heißt wenn der Rang kleiner als ist. Das ist die Bedingung dafür, dass nicht invertierbar ist (Rangsatz). Der Produktsatz folgt ähnlich: Ist nicht invertierbar, dann auch , beide Seiten sind 0. Ist invertierbar, ist ein Produkt von Elementarmatrizen, und für diese lässt sich die Formel nachrechnen.
Die Cramersche Regel
Für ein quadratisches System mit gibt es eine Formel für die Lösung. Sei die Matrix, die entsteht, wenn man die -te Spalte von durch ersetzt. Dann ist
Die Regel ist elegant, aber nur für kleine Systeme praktisch. Für große Systeme ist das Gauß-Verfahren viel schneller. Eng verwandt ist die Formel für die Inverse mit der Adjunkten: . Für lautet sie .
Geometrische Bedeutung
Die Spalten einer reellen -Matrix spannen ein Parallelepiped (Spat) auf. Sein Volumen ist . Das Vorzeichen gibt die Orientierung an: Bei bleibt die Reihenfolge der Basisvektoren (rechtshändig), bei wird gespiegelt. Für ist es das Parallelogramm (Fläche), für das Spatprodukt.
Allgemeiner multipliziert eine lineare Abbildung das Volumen jeder Figur mit . Deshalb ist genau dann, wenn das Bild zusammenfällt, also eine Dimension verloren geht. Bei der Substitution in Mehrfachintegralen erscheint der Jacobi-Matrix als Korrekturfaktor, und bei Eigenwerten bestimmt die Eigenwerte.
Eine besondere Determinante: Vandermonde
Die Vandermonde-Determinante zu den Zahlen ist
Für ist . Probe mit Sarrus: . Sie ist genau dann ungleich 0, wenn alle verschieden sind. Daraus folgt, dass es zu Punkten mit verschiedenen -Werten genau ein Polynom vom Grad durch alle Punkte gibt (Interpolation).
Typische Fehler
Übungen
Geschichte
Seki Takakazu (1683) und Leibniz (1693) lösten lineare Gleichungssysteme mit determinantenartigen Ausdrücken. Colin Maclaurin und Gabriel Cramer veröffentlichten die Regel für kleine Systeme in den 1740er-Jahren, Cramer 1750 in einem Anhang zur Theorie algebraischer Kurven. Alexandre-Théophile Vandermonde stellte um 1771 die erste zusammenhängende Theorie der Determinanten auf. Gauß benutzte das Wort „Determinante“ 1801 für eine Größe bei quadratischen Formen, Cauchy gab ihm 1812 seine heutige Bedeutung und bewies, gleichzeitig mit Jacques Binet, den Produktsatz. Mit Carl Gustav Jacobi (1841) wurde die Determinante zum Werkzeug der Analysis. Die nach ihm benannten Funktionaldeterminanten messen bis heute die Flächenverzerrung bei Koordinatenwechseln.
Häufige Fragen
Welche Methode soll ich in der Klausur benutzen?
Bei die Formel, bei Sarrus oder Entwicklung. Ab entwickelst du nach einer Zeile oder Spalte mit vielen Nullen oder bringst die Matrix mit dem Gauß-Verfahren auf Dreiecksform.
Was heißt geometrisch?
Die Spalten sind linear abhängig, der von ihnen aufgespannte Spat hat das Volumen 0, und die Abbildung drückt den Raum auf eine kleinere Dimension zusammen.
Warum ist die Determinante bei Zeilenumformungen so praktisch?
Weil die Umformungen, die man beim Gauß-Verfahren braucht, sie entweder gar nicht oder um einen leicht verfolgbaren Faktor ändern.
Quellen und weiterführende Literatur
- Wikipedia: Determinante
- Wikipedia: Laplacescher Entwicklungssatz
- Gerd Fischer: Lineare Algebra. Eine Einführung für Studienanfänger, Springer Spektrum, Wiesbaden.
- Siegfried Bosch: Lineare Algebra, Springer Spektrum, Berlin.
- Gabriel Cramer: Introduction à l’analyse des lignes courbes algébriques, Genf 1750.
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