Mathematik lernen · Klasse 5 bis Oberstufe

Operatoren in Mathe

„Nenne“, „berechne“, „begründe“: Jedes Aufgabenverb verlangt etwas anderes. Du lernst die wichtigsten Operatoren der Mathematik kennen, siehst, wie viel du jeweils aufschreiben musst, und übst sie an Beispielen.

Aufgaben in Klassenarbeiten und im Abitur beginnen oft mit einem Verb: „Nenne …“, „Berechne …“, „Begründe …“. Dieses Verb heißt Operator. Es sagt dir, was du tun sollst und wie ausführlich deine Antwort sein muss. Wer bei „Begründe“ nur ein Ergebnis hinschreibt, verschenkt Punkte, auch wenn das Ergebnis stimmt. Wer bei „Nenne“ eine lange Erklärung schreibt, verliert dagegen Zeit.

Für die Abiturprüfungen haben die Länder gemeinsam eine Liste von Operatoren für das Fach Mathematik festgelegt. Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) veröffentlicht sie als „Grundstock von Operatoren“ (Stand 28.02.2019) für die gemeinsamen Abituraufgabenpools der Länder. Viele Lehrkräfte verwenden dieselben Verben schon früher. Die Länder können aber eigene Listen haben. Frage deshalb bei deiner Lehrkraft nach, welche Liste an deiner Schule gilt. Wie die Anforderungsbereiche aufgebaut sind, steht bei Mathematisch arbeiten.

Was ist ein Operator?

Die Operatoren der IQB-Liste werden in den Aufgaben der Aufgabensammlung und des Abituraufgabenpools so verwendet, wie die Erläuterung es festlegt. Sie können durch Zusätze wie „rechnerisch“ oder „grafisch“ näher bestimmt werden. Erlaubte Hilfsmittel darfst du benutzen, solange kein Zusatz etwas anderes verlangt. Steht in einer Aufgabe ein Verb, das nicht in der Liste vorkommt, gilt seine gewöhnliche Wortbedeutung.

Operatoren hängen mit den prozessbezogenen Kompetenzen zusammen. Die Standards für die Allgemeine Hochschulreife nennen zum Beispiel „Begründen Sie!“, „Widerlegen Sie!“, „Gibt es?“ und „Gilt das immer?“ als typische Formulierungen für das Argumentieren. Mehr dazu bei Argumentieren und Begründen.

Die wichtigsten Operatoren im Überblick

Die Spalte „Das sollst du tun“ folgt der IQB-Liste und gibt ihre Erläuterungen in eigenen Worten wieder. Die Spalte „Typischer Schwerpunkt“ nennt den Anforderungsbereich, in dem Aufgaben mit diesem Operator meistens liegen. Diese Angabe gehört nicht zur IQB-Liste. Sie orientiert sich an Länderlisten, etwa der hessischen Operatorenliste für das Landesabitur 2027. Dort heißt es ausdrücklich, dass die konkrete Zuordnung vom Kontext der Aufgabe abhängt.

Operatoren der IQB-Liste für Mathematik mit Erläuterung, typischem Schwerpunkt und Beispiel
OperatorDas sollst du tunTypischer SchwerpunktBeispielaufgabe
angeben, nennenDas Ergebnis hinschreiben. Eine Begründung ist nicht nötig.INenne zwei Teiler von 36.
entscheidenDich festlegen. Eine Begründung ist nicht nötig.I bis IIEntscheide, ob 51 eine Primzahl ist.
beschreibenIn eigenen Worten und guter Fachsprache wiedergeben. Eine Begründung ist nicht nötig.I bis IIBeschreibe den Verlauf des abgebildeten Graphen.
erläuternInformationen liefern, mit denen man ein Vorgehen oder die Entstehung einer Darstellung nachvollziehen kann.IIErläutere, wie du mit dem Dreisatz ausrechnest, was 7 Hefte kosten, wenn 5 Hefte 4,50 € kosten.
deuten, interpretierenEinen Zusammenhang zwischen einer Darstellung, einem Term oder einem Rechenergebnis und dem Sachzusammenhang herstellen.II bis IIIDie Taxikosten sind K(x) = 3,50 + 2,20 · x. Deute die Zahl 2,20 im Sachzusammenhang.
berechnenDie Rechnung ausgehend von einem Ansatz darstellen.I bis IIBerechne den Flächeninhalt eines Kreises mit dem Radius 3 cm.
bestimmen, ermittelnDen Weg frei wählen (rechnerisch, grafisch) und das Vorgehen darstellen.IIBestimme die Nullstelle von f(x) = 2x − 6.
untersuchenDen Weg frei wählen und das Vorgehen darstellen.II bis IIIUntersuche, ob das Dreieck mit den Seiten 5 cm, 12 cm und 13 cm rechtwinklig ist.
begründen, nachweisen, zeigenEine Aussage durch logisches Schließen bestätigen und das Vorgehen darstellen.II bis IIIZeige, dass die Summe dreier aufeinanderfolgender Zahlen durch 3 teilbar ist.
beurteilenEin Urteil fällen und es begründen.IIIBeurteile, ob ein lineares Modell für das Wachstum eines Baumes sinnvoll ist.
grafisch darstellen, zeichnenDie Zeichnung möglichst genau anfertigen.I bis IIZeichne den Graphen von f(x) = x² − 2 für −2 ≤ x ≤ 2.
skizzierenNur das Wesentliche zeichnen, so dass der Zusammenhang erkennbar wird.I bis IISkizziere den Graphen von f(x) = x² − 2.

In den Ländern kommen weitere Operatoren vor. Die folgende Tabelle zeigt vier häufige, ebenfalls nach der hessischen Liste. Sie stehen nicht im Grundstock der IQB, werden aber im Unterricht und in Prüfungen verwendet.

Weitere häufige Operatoren, nach Länderlisten
OperatorDas sollst du tunTypischer SchwerpunktBeispielaufgabe
beweisenIm mathematischen Sinn zeigen, dass eine Aussage richtig ist, zum Beispiel mit bekannten Sätzen und logischen Schlüssen.IIIBeweise, dass das Quadrat einer ungeraden Zahl ungerade ist.
vergleichenGemeinsamkeiten und Unterschiede nach Kriterien ermitteln und darstellen.II bis IIIVergleiche die Tarife A (5 € plus 2 € je Stunde) und B (4 € je Stunde) für 1, 2 und 3 Stunden.
prüfen, überprüfenEine Aussage an Gesetzmäßigkeiten messen, bestätigen oder Widersprüche aufdecken.II bis IIIÜberprüfe, ob x = 3 die Gleichung 2x − 6 = 0 löst.
herleitenEinen Zusammenhang aus gegebenen Daten oder Gesetzmäßigkeiten entwickeln.II bis IIILeite die Formel für den Flächeninhalt eines Dreiecks aus der Formel für das Rechteck her.

Wie viel musst du aufschreiben?

Die Operatoren lassen sich nach der verlangten Darstellung ordnen. Je weiter rechts, desto mehr musst du aufschreiben und desto mehr Denkarbeit steckt meist dahinter. Wie du bei „bestimme“ und „untersuche“ einen Weg findest, zeigt Probleme lösen, und was bei „beurteile“ und „deute“ zu tun ist, erklärt Mathematisch modellieren.

Nur Ergebnis angeben, nennen, entscheiden In Worten beschreiben, erläutern, deuten Rechenweg berechnen, bestimmen, untersuchen Begründung begründen, zeigen, beurteilen Wie viel musst du aufschreiben?
Operatoren nach verlangter Darstellung: vom bloßen Ergebnis über die Beschreibung und den Rechenweg bis zur Begründung.
  • Nur das Ergebnis: Bei „nenne“, „gib an“ und „entscheide“ genügt die Antwort. Eine Begründung ist ausdrücklich nicht nötig.
  • In Worten: Bei „beschreibe“ und „erläutere“ zählen gute Sätze und die richtige Fachsprache.
  • Rechenweg: Bei „berechne“ zeigst du die Rechnung von einem Ansatz aus. Bei „bestimme“, „ermittle“ und „untersuche“ wählst du den Weg selbst und stellst ihn dar.
  • Begründung: Bei „begründe“, „zeige“ und „weise nach“ stellst du eine logisch geschlossene Argumentation dar. Bei „beurteile“ kommt ein begründetes Urteil dazu.

Übungen

Geschichte: Von „Du nimmst …“ bis „Was zu beweisen war“

Aufgabenverben gibt es, seit es Aufgaben gibt. Auf Tontafeln der sumerischen und babylonischen Mathematik stehen Rechenanweisungen in der angesprochenen Form, etwa „Du nimmst …“, gefolgt von Rechenschritten. In den Elementen des Euklid endet ein Lehrsatz mit „was zu beweisen war“ (griechisch hoper edei deixai, lateinisch quod erat demonstrandum), eine Konstruktionsaufgabe mit „was zu tun war“. Schon dort kann man also zwischen „zeige“ und „konstruiere“ unterscheiden. Die Bildungsstandards von 2012 verlangen heute, dass die Operatoren der Abituraufgaben in Bezug zu den Anforderungsbereichen gesetzt werden.

Häufige Fragen

Gilt diese Liste in meinem Bundesland?

Die IQB-Liste gilt für die gemeinsamen Abituraufgabenpools der Länder. Daneben haben die Länder eigene Listen, die sich im Wortlaut und in der Zuordnung zu Anforderungsbereichen unterscheiden können. Für Klassenarbeiten gilt, was deine Lehrkraft vorgibt.

Was ist der Unterschied zwischen „berechne“ und „bestimme“?

Bei „berechnen“ stellst du die Rechnung ausgehend von einem Ansatz dar. Bei „bestimmen“ darfst du die Methode frei wählen, zum Beispiel rechnerisch oder grafisch, und musst das Vorgehen darstellen.

Muss ich beim Operator „nenne“ etwas begründen?

Nein. Nach der IQB-Liste ist für „angeben“ und „nennen“ keine Begründung nötig. Mehr zu schreiben, kostet nur Zeit.

Quellen und weiterführende Literatur