Arbeitsblatt · Klasse 8–9

Ein Satz, viele Wege: Pythagoras beweisen

Der Satz des Pythagoras ist viel älter als sein Namensgeber. Du legst ihn mit vier Dreiecken nach, prüfst Zahlentripel und löst eine Aufgabe aus China.

Erklärung: Satz des Pythagoras

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Für die Lehrkraft: Steckbrief

  • Klassenstufe: 8 bis 9
  • Zeitbedarf: 45 bis 60 Minuten
  • Lernziele: Den Satz des Pythagoras durch Flächenvergleich begründen, den Unterschied zwischen Messen und Beweisen verstehen, Zahlentripel mit der Umkehrung prüfen, eine Sachaufgabe in eine Gleichung übersetzen, historische Spuren des Satzes in Babylon und China kennenlernen.
  • Material: dieses Blatt, Taschenrechner, Lineal, Geodreieck, Karopapier und Schere für den Zerlegungsbeweis.
  • Bezug zur Lernseite: Beweis zum Anschauen, Geschichte bei Geschichte des Satzes

Ablaufvorschlag

  1. Einstieg (5 Minuten): Die Klasse nennt den Satz und woher sie ihn kennt. Frage: „Woher weiß man, dass er für jedes rechtwinklige Dreieck gilt?“
  2. Geschichte und Abbildung (10 Minuten): Text lesen, die beiden Quadrate in der Abbildung vergleichen. Wichtig: Beide Quadrate haben die Seite a + b und enthalten dieselben vier Dreiecke.
  3. Aufgaben 1 bis 3 (20 Minuten), nach Möglichkeit mit ausgeschnittenen Dreiecken aus Karopapier.
  4. Aufgaben 4 und 5 als Übung, Aufgabe 6 im Gespräch oder als Hausaufgabe.

Älter als Pythagoras

Der Satz des Pythagoras trägt den Namen eines griechischen Gelehrten, der vor etwa 2.500 Jahren lebte. Bekannt war der Zusammenhang aber schon viel früher. Auf babylonischen Tontafeln aus der Zeit um 1800 v. Chr. stehen Zahlen, die zu rechtwinkligen Dreiecken passen. Die Tafel Plimpton 322 enthält solche Zahlentripel. Wozu sie diente, ist unter Fachleuten umstritten.

In China heißt der Satz Gougu-Satz, nach den Namen der beiden Katheten. Er steht im alten Rechenbuch Zhoubi suanjing. Im 3. Jahrhundert n. Chr. fügte Zhao Shuang eine Figur aus vier Dreiecken hinzu, die den Satz zeigt.

Wir benutzen einen Beweis in diesem Geist. Man nimmt vier gleiche rechtwinklige Dreiecke mit den Katheten a und b und der Hypotenuse c. Man legt sie auf zwei Arten in ein Quadrat der Seitenlänge a + b. Das linke Quadrat und das rechte Quadrat sind gleich groß. Was nach dem Auslegen frei bleibt, hat in beiden Fällen dieselbe Fläche.

a² b² a b c² a b zwei Quadrate ein Quadrat
Zwei Anordnungen derselben vier Dreiecke im Quadrat der Seite a + b. Links bleibt die Fläche a² + b² frei, rechts die Fläche c². Beide Flächen müssen gleich groß sein. Hier ist a = 3 und b = 4.

Aufgaben

  1. Zeichne auf Karopapier ein rechtwinkliges Dreieck mit den Katheten 3 cm und 4 cm. Miss die Hypotenuse. Berechne dann a2, b2 und c2 und vergleiche.
  2. Die Abbildung hat die Maße a = 3 cm und b = 4 cm. Berechne die Fläche eines großen Quadrats, die Fläche der vier Dreiecke und die Fläche, die jeweils frei bleibt. Vergleiche die beiden freien Flächen mit a2+b2 und mit c2.
  3. Jetzt für beliebige Seiten a, b und c: Beide Quadrate haben dieselbe Fläche und enthalten dieselben vier Dreiecke. Begründe damit, dass a2+b2=c2 gilt.
  4. Prüfe mit der Umkehrung des Satzes, welche Zahlentripel zu einem rechtwinkligen Dreieck gehören: (5, 12, 13), (7, 24, 25), (8, 15, 18) und (119, 120, 169). Das letzte steht auf der Tafel Plimpton 322.
  5. Knifflig: Ein Bambusrohr ist 10 Chi hoch (Chi ist eine alte chinesische Längeneinheit). Es knickt ab, sodass die Spitze 3 Chi vom Fuß entfernt den Boden berührt. In welcher Höhe knickt es? Setze die Höhe des Knicks gleich x und stelle eine Gleichung auf. Eine Aufgabe dieser Art steht in einem chinesischen Rechenbuch.
  6. Warum reicht es nicht, den Satz an vielen Dreiecken durch Messen zu prüfen? Was leistet der Zerlegungsbeweis mehr? Recherchiere dazu, wer außer Pythagoras einen eigenen Beweis des Satzes gefunden hat.

Lösungen

  1. Die Hypotenuse misst 5 cm (im Rahmen der Messgenauigkeit). Es gilt a2=9, b2=16 und c2=25 (jeweils in cm²). Die Summe 9+16=25 stimmt mit c2 überein.
  2. Großes Quadrat: Seite 3 + 4 = 7 cm, Fläche 49 cm². Ein Dreieck hat die Fläche ½ · 3 · 4 = 6 cm², vier Dreiecke haben 24 cm². Frei bleiben 49 − 24 = 25 cm². Links sind das die zwei Quadrate mit a2+b2=9+16=25, rechts das schräge Quadrat mit c2=25. In beiden Fällen sind es 25 cm².
  3. Erwartungshorizont: Beide großen Quadrate haben die Seite a + b und damit dieselbe Fläche. In beiden liegen dieselben vier Dreiecke. Nimmt man die vier Dreiecke weg, müssen die übrigen Flächen gleich groß sein. Links bleiben a2+b2, rechts bleibt c2. Also gilt a2+b2=c2. Die Rechnung hängt nicht von den Zahlen 3 und 4 ab, daher gilt sie für jedes rechtwinklige Dreieck.
  4. (5, 12, 13): 25+144=169=132, rechtwinklig. (7, 24, 25): 49+576=625=252, rechtwinklig. (8, 15, 18): 64+225=289, aber 182=324, nicht rechtwinklig. (119, 120, 169): 14.161+14.400=28.561=1692, rechtwinklig.
  5. Der Bambus teilt sich in den stehenden Teil x und den abgeknickten Teil 10 − x. Der abgeknickte Teil ist die Hypotenuse eines rechtwinkligen Dreiecks mit den Katheten x und 3. Es gilt x2+32=(10−x)2, also x2+9=100−20x+x2. Daraus folgt 20x=91 und x=4,55. Das Rohr knickt in 4,55 Chi Höhe, der abgeknickte Teil ist 5,45 Chi lang. Probe: 4,552+9=29,7025=5,452.
  6. Erwartungshorizont: Beim Messen prüft man nur einzelne Dreiecke, und jede Messung hat Fehler. Ein Satz kann für viele Beispiele stimmen und trotzdem nicht allgemein gelten. Der Zerlegungsbeweis kommt ohne Zahlen aus, die Seiten a und b sind beliebig, also gilt der Satz für alle rechtwinkligen Dreiecke. Zur Recherche: Es gibt hunderte Beweise. Der Mathematiklehrer Elisha Scott Loomis sammelte rund 370. Auch James Garfield, der spätere Präsident der USA, veröffentlichte 1876 einen eigenen Beweis. Viele Beweise sind Zerlegungsbeweise wie hier, andere rechnen mit Algebra oder mit ähnlichen Dreiecken.

Hinweise für die Lehrkraft

  • Typische Schwierigkeiten: Aus c2=a2+b2 wird fälschlich c=a+b. Die Hypotenuse wird nicht als längste Seite erkannt. Bei Aufgabe 5 wird der abgeknickte Teil mit x statt mit 10 − x bezeichnet. Beim Beweis wird nicht gesehen, dass beide Quadrate gleich groß sind. Tipp: Die Dreiecke ausschneiden und beide Anordnungen wirklich legen lassen.
  • Leichter: Nur Aufgaben 1 bis 4, die Dreiecke vorgefertigt austeilen.
  • Schwerer: Den Beweis algebraisch führen: (a+b)2=4·ab2+c2, ausmultipliziert a2+2ab+b2=2ab+c2. Den Beweis des Präsidenten Garfield (Trapez aus zwei Dreiecken und einem halben Quadrat) nachvollziehen. Weitere Tripel mit der Euklid-Formel erzeugen.
  • Quellenlage: Die Datierung der Tafel Plimpton 322 und ihr Zweck sind umstritten. Im Blatt steht sie nur als Beispiel für Zahlentripel. Beweise vor den Griechen sind nicht überliefert, der Satz selbst ist aber früh bekannt. Zhao Shuang lebte im 3. Jahrhundert n. Chr.
  • Weiterführung: Übungen bei den Pythagoras-Aufgaben, Hintergründe zur chinesischen und babylonischen Mathematik, Zahlentripel bei pythagoreische Zahlentripel, Beweisen allgemein bei den Beweisverfahren.

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